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Badura-Skoda, Paul, Pianist (1927-2019)

Eigenhändiger launiger Text "Über das Üben" mit Unterschrift, 1/2 Seite, kl-4, Wien (Briefkopf), 23. 10. 1983. - "Zum guten Üben gehört das Einüben, Durchüben und Ausüben. Aber dann gibt es noch das Zerr-Üben, das zum Zerüben ganzer Musikstücke führen kann, so lange, bis ihre Substanz förmlich zerrieben wird. Was übrigbleibt, ist eine Art More-üben-Brei ...". Faltspuren. - Beiliegend ein bleistiftgeschriebenes musikalisches Billet mit dem Anfang von Franz Schuberts "Lerchenwalzer" und Unterschrift, ohne Ort und Datum. Beide Autographen von fremder Hand numeriert.

Der österreichische Pianist war auch als Pädagoge und Musikschriftsteller tätig. Franz Schubert gehörte mit Mozart, Beethoven und Frank Martin zu seinen bevorzugten Komponisten. Der sogenannte "Lerchenwalzer" in Des-Dur findet sich als Ländler Nr. 7 (mit folgendem Ländler Nr. 8) in Schuberts 1823 veröffentlichtem op. 18 (D. 145). Weiterlesen

Bestellnummer 2609-4
€ 250,-


Baumbach, Rudolf, Schriftsteller (1840-1905)

Eigenhändiges sechzehnzeiliges Gedicht mit Unterschrift "R. Baumbach" auf dem Vorsatzblatt seines Büchleins "Frau Holde", 17. Tsd., Leipzig, Liebeskind, 1888 (kl-8, 90 pp, goldgepr. Orig.-Leinen). "Nach sieben Jahren! // Ha, alter Birnbaum! Lebst du noch / Nach sieben langen Jahren? / Trägst noch an einer Stange hoch / Das Kästlein für die Staren? / Der Birnbaum an zu sprechen fing / Und seufzte schwer beklommen / Dieweil der Star auf Reisen ging / Hat Spatz Besitz genommen! // Willkomm' mit deinem Schelmenblick, / Frau Nachbarin du lose! / Als Knospe ließ ich dich zurück, / Nun grüß' ich dich als Rose / Sie wies mir lächelnd einen Ring - / O weh; zu spät gekommen! / Dieweil der Star auf Reisen ging / Hat Spatz Besitz genommen ...". Kleiner Papierschaden sowie minimale Korrekturen von fremder Hand, Titelblatt mit leichtem Schriftabklatsch und Besitzvermerk von 1888.

Mit kleinen Abweichungen gedruckt in "Lieder eines fahrenden Gesellen" (Leipzig 1878). Das Gedicht wurde - so wie viele von Baumbachs volktümlichen Gedichten - mehrfach vertont. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-5
€ 175,-


Bibelhandschrift

Doppelseitig beschriebenes Pergamentblatt aus einer Handschrift des 14. Jhs., rubrizierte zweispaltige gotische Minuskel (Gotica textualis) zu je 32 Zeilen mit einzelnen Marginalien, Blattgröße 30,5 x 19,5 cm. Der lateinische Text nach der Hieronymus-Vulgata enthält Numeri 33:54 (Schluss) bis 35:24 (Anfang) aus dem Tanach bzw. Alten Testament; Textausdruck beiliegend. - Ungleichmäßig beschnitten, etwas gebräunt bzw. fleckig, einzelne kleine Fehlstellen (eine davon im Schriftbereich); insgesamt sehr gut erhaltene mittelalterliche Buchseite.

Der politisch hochaktuelle Text aus dem im einem langen Redaktionsprozess entstandenen sogenannten 4. Buch Mose enthält Anweisungen zur kriegerischen Landnahme der Israeliten in Kanaan. Aufgrund der archäologischen Evidenz wird diese heute meist als spätere literarische Konstruktion angesehen. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-6
€ 1350,-


Brendel, Alfred, Pianist (1931-2025)

Farbiges Fotoporträt (18 x 13 cm, wohl nach privater Aufnahme) mit eigenhändigem Namenszug im weißen Unterrand, ohne Ort und Datum (um 1995). - Etwas braunstichig.

Der große österreichische Interpret klassischer und romantischer Klavierliteratur war auch als Essayist zu musikalischen Themen sowie als Lyriker tätig. Ab 1971 lebte er in London. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-8
€ 65,-


Busch, Wilhelm, Dichter, Zeichner und Maler (1832-1908)

Eigenhändige Grußzeile mit Unterschrift (in Bleistift) auf der leeren letzten Seite eines Briefs des Malers Friedrich August von Kaulbach (1850-1920) aus München an den Maler Daniel Penther (1837-1887) in Wien. "Auch einen schönen Gruß. Wilhelm Busch".

Der im November 1871 geschriebene eigenhändige Brief Kaulbachs (2 1/2 Seiten in-8) erwähnt die Künstlerkollegen Hans Makart, Franz von Lenbach und Lorenz Gedon und berichtet vom lokalen Kulturleben: "... Hier sind gegenwärtig großartige Meisterfesttage, R. Wagners Hoflager befindet sich zur Zeit in München ... alles steht auf dem Kopf u. schlägt Purzelbaum, dem Meister zu Ehren ...". 1871 kam es zur Gründung des ersten Richard Wagner-Vereins in München; der Komponist verlegte aber damals schon seine Festspielpläne von der bayerischen Hauptstadt nach Bayreuth. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-11
€ 850,-


Dahn, Felix, Schriftsteller (1834-1912)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 2 1/2 Seiten, gr-8, Würzburg, 23. 3. 1905. - Bittet den befreundeten Schriftsteller Peter Rosegger, den ehemaligen Redakteur des "Heimgarten", ihm bei der Eintreibung einer ausständigen Zahlung behilflich zu sein. "Lieber Freund! Dießmal muß ich Dir einen reinen Geschäftsbrief schreiben - dafür erhältst Du nächstens einen reinen Freundschaftsbrief. Du erinnerst Dich, daß wir bei Begründung des Heimgartens für Beiträge ein Honorar von 80 fl [Gulden] pro Bogen verabredeten. Ich habe in dieß Blatt den Dietrich von Bern, den faulen Hanns und Schule und Leben geliefert und einmal eine Zahlung von 100 fl erhalten. Da nun eine weitere Zahlung nicht erfolgte, habe ich dreimal ... an die Redaction geschrieben ... Ich weiß, daß Du als längst ausgeschieden aus der Führung des Blattes nicht verpflichtet bist, Dich um diese unser beider sehr unwürdige Sache zu kümmern, ersuche Dich aber, da ich ganz ausschließlich um deiner Person willen Mitarbeiter des Blattes wurde, diesen meinen Brief ... an Herrn Pustet zu schicken, der dann ohne Zweifel wißen wird, was er zu thun hat ...". - Auf bläulichem, fein kariertem Papier.

Die Freundschaft zwischen den beiden Schriftstellern geht auf das Jahr 1894 zurück, als Dahn nach einem Angriff auf Rosegger in der Berliner Presse mit diesem zu korrespondieren begann. Die gemeinsame deutschnationale, jedoch nicht dezidiert antisemitische Gesinnung förderte ihren regen geistigen Austausch. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-17
€ 350,-


Dumas, Alexandre (Sohn), Schriftsteller (1824-1895)

Eigenhändiges Manuskript mit Unterschrift, 2 1/2 Seiten, kl-8, 25. 9. 1894. - Über seine Beziehung zum Tanz, insbesondere zum Walzer, und zu Johann Strauss. "Quand j'étais jeune j'aimais passionnément la danse et surtout la valse. J'ai donc beaucoup tourné sur moi même entrainé par la musique de Johann Strauss ; mais il nous est arrivé bien des fois de nous arrêter, mes valseuses et moi pour écouter cette musique et pour suivre dans l'espace, je devrais dire dans l'infini la rêverie qu'elle faisait naître en nous. Il nous semblait que c'était presque un sacrilège de faire servir de pareilles mélodies à un plaisir physique. Aujourd'hui que j'ai le même âge que Strauss et que ja ne danse plus depuis long tem[p]s, je me fais souvent jouer ses valses et je revois ma jeunesse repasser en tournoyant et en souriant devant moi. A. Dumas f[il]s." - Beiliegend ein Fotoporträt um 1875 im Format carte-de-visite aus dem Pariser Atelier Mulnier.

Übersetzung: "Als ich jung war, liebte ich das Tanzen leidenschaftlich, vor allem den Walzer. So drehte ich mich oft im Takt der Musik von Johann Strauss; doch oft kam es vor, dass meine Tanzpartnerinnen und ich innehielten, um dieser Musik zu lauschen und der Träumerei, die sie in uns weckte, im Raum – ich sollte sagen: in die Unendlichkeit – zu folgen. Es kam uns fast wie ein Sakrileg vor, solche Melodien einem körperlichen Vergnügen dienen zu lassen. Heute, da ich genauso alt bin wie Strauss und schon lange nicht mehr tanze, lasse ich mir oft seine Walzer vorspielen und sehe meine Jugend wieder, wie sie sich drehend und lächelnd an mir vorbeizieht." Weiterlesen

Bestellnummer 2609-18
€ 350,-


Einem, Gottfried von, Komponist (1918-1996)

Eigenhändige freundschaftliche Korrespondenz (4 Briefe und 4 Postkarten) mit der Sopranistin Dagmar Schmedes, Rindlberg (Bad Großpertholz, NÖ.), 1973/1977 (meist Jänner bis April 1976). - Betrifft vor allem das Bemühen des Komponisten, für die Sängerin eine finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand zu erwirken. "Liebe Dagmar ... Sind Sie österr. oder dänische Staatsbürgerin? Wenn ich das alles beisammen habe, werde ich Sinowatz schreiben und dann erst, wenn von ihm aus nichts möglich sein sollte, Frau Fröhlich Sandner ... Es ist wahrlich eine Schande, wie das Ministerium sich Ihnen (und mir) gegenüber beträgt. Sie sehen, wie hoch man meine Bitten honoriert, wie gross mein Einfluss ist ... Glauben Sie mir bitte, dass nichts von selbst gut wird. Ich habe schon zahllose 'Fälle' zu regeln versucht. Manchmal mit Erfolg, meist erfolglos ... Ich sende die beschämenden Papiere zurück. Was soll, was kann ich tun? ... Schauen Sie sich die 'Dame' an. Eine gute Vorstellung ... Ich werde nächster Tage die neue Oper beginnen. Lotte schrieb den Text: Jesu Hochzeit (mit dem Tod) ...". - Einmal voll unterschrieben, sonst meist mit "Gottfried" oder "Gottfried E."; die zugehörigen eigenhändigen Briefkuverts sowie zwei maschinschriftliche Briefe des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst und ein Bankformular liegen bei.

Dagmar Schmedes (1896-1987), Tochter des Heldentenors Erik Schmedes, sang an der Wiener Volksoper sowie bei den Bayreuther Festspielen und wirkte später als Pädagogin. Fred Sinowatz war von 1971 bis 1983 Bundesminister für Unterricht und Kunst, Gertrude Fröhlich-Sandner von 1965 bis 1979 Wiener Kulturstadträtin. Einems Oper "Der Besuch der alten Dame" wurde 1971 uraufgeführt, "Jesu Hochzeit" (nach Text seiner Gattin Lotte Ingrisch) 1980. In der vorliegenden Korrespondenz bringt der Komponist auch seine Hochschätzung für mehrere Dirigenten zum Ausdruck, während er über einen namentlich nicht genannten "Gigantovic" abfällig urteilt: "Fu[rtwängler], Walter, Toscanini werden in der Erinnerung der Menschen bleiben. Er wird Spreu sein. Poverino ...". Weiterlesen

Bestellnummer 2609-20
€ 360,-


Elisabeth, Kaiserin von Österreich (1837-1898)

Eigenhändiges Briefkuvert (ohne Inhalt) an ihren Sohn Erzherzog Rudolf, ohne Ort und Datum, 9 x 11,5 cm. - "Seiner k. k. Hoheit Erzherzog Rudolf Kronprinz von Oesterreich / Wien." Auf der aufgebrochenen rückseitigen Verschlußklappe fein ausgeführter violetter Stempel "Elisabeth" mit darübergesetzter Habsburgerkrone. - Geringfügig altersfleckig.

Nach Vergleich mit ähnlichen Stücken enthielt das Kuvert vermutlich ein um 1870 verfasstes Schreiben an den damals noch jugendlichen Thronfolger (1858-1889). Weiterlesen

Bestellnummer 2609-21
€ 1450,-


Fischhof, Robert, Pianist und Komponist (1856-1918)

Musikalisches Albumblatt mit eigenhändiger Notenzeile, Spruch und Unterschrift, quer-kl-8, Wien, 21. 6. 1909. - "Mit dem Mute der Wahrheit und Überzeugung Robert Fischhof". Die Notenzeile mit dem Beginn der eigenen Liedkomposition "Ich liebe dich weil ich dich lieben muß". - Minimale Eckmängel.

Robert Fischhof stammte aus einer musikalischen Wiener Familie, studierte unter anderem bei Anton Bruckner, Theodor Leschetitzky und Franz Liszt und unternahm Konzerttourneen durch ganz Europa. In seinen letzten Lebensjahren spielte er nur noch eigene Werke. 1884 wurde er Professor am Wiener Konservatorium, 1916 erschienen seine Erinnerungen an Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-23
€ 160,-


Franz Joseph, Kaiser von Österreich (1830-1916)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 5 1/2 Seiten auf zwei Doppelblättern, in-8, Ofen, 7. 6. 1896. - An Katharina von Schratt. "Meine liebe gute Freundin, Erschrecken Sie nicht, wenn Sie schon so bald einen Brief von mir erhalten, der Sie aber nicht zu einer Antwort zwingen soll. Da mein erster Kurier noch nicht eingetroffen ist und und ich daher Heute Früh besonders viele Zeit habe, so konnte ich dem Wunsche nicht widerstehen einige Zeilen an Sie zu richten und Ihnen zu sagen, was Sie ohnehin wissen, daß ich sehr viel mit Sehnsucht und Trauer an Sie denke. Wie unendlich lange werde ich Sie nicht sehen! Es ist eigentlich noch ein Glück, daß die Hetze des hiesigen Aufenthaltes mir nicht viel Zeit zum Nachdenken laßt. Auch innigst danken möchte ich Ihnen, was ich leider bei unserem vorgestrigen Abschiede vergessen habe, für Ihre viele Güte für mich während dieser letzten Zeit, so wie für die neue Lufterzeugungs Maschine, welche, wie ich erst im Waggon von meinem Kammerdiener Ketterle erfuhr, vorgestern in meine Wohung in der Burg kam und bereits bei einem angestellten Versuche eine enorme, abkühlende Wirkung hatte. Wie viele Wohltaten verdanke ich Ihnen! Sie sind ein Oberengel! Die frühere Maschine kommt nach Ischl, wo sie bei der dortigen elektrischen Einrichtung verwendbar sein und gute Dienste leisten wird. General Direktor Palmer war selbst in der Burg, um die Installation zu überwachen. Vielleicht haben Sie die Güte, ihm für diese Zuvorkommenheit meinen besten Dank auszurichten. Noch eine schöne Bitte hätte ich, nemlich, daß Sie mir Ihre Ankunft in Carlsbad telegraphisch anzeigen möchten. Es wäre eine große Beruhigung für mich. / Beiliegend erlaube ich mir Photographien meiner Enkelin Auguste im ungarischen Kleide und meines Urenkels zu schicken, die Sie vielleicht amusiren werden. Hier ist es wärmer wie in Wien. Gestern bei meiner Ankunft war es wunderschön, unter Tags waren wiederholt heftige Strichregen mit Sonnenschein abwechselnd, dabei schwüle Luft. Heute ist der Morgen wieder schön, aber der fallende Barometer macht mich für den morgigen Festzug besorgt. Auf der Herreise habe ich im Waggon besonders gut geschlafen, hier im Schloße empfing mich Eh. Joseph und sein Sohn, später kam mein Bruder Ludwig zu mir, der bereits vorgestern Abend hier eingetroffen war. Um 10 Uhr war die Grundsteinlegung im Schloße, die sehr kurz dauerte, dann besprach ich mit dem Commandirenden Fürsten Lobkowitz und mit Paar die Tage und die détails meiner Truppen Inspicirungen und später machte ich einen Besuch im Hause des Eh. Joseph, wo ich ihn, seine Frau, 3 Töchter, Auguste und ihren Mann fand. Um 5 Uhr speiste ich mit meinem Bruder Ludwig und den Herrn des Gefolges und später kam Stéphanie mit ihrer Tochter an, die mit Dampfschiff herunter gefahren sind und von der Fahrt sehr befriedigt waren. Heute habe ich um 1/2 12 Uhr den Empfang aller Obergespäne und dann der Stadtvertretung von Buda-Pest, um 5 Uhr wieder Diner mit den im Hause wohnenden Herrschaften und Suiten und dann kommt die Kaiserin an. Durch eine lange Reihe von Tagen werde ich hier noch ziemlich viel zu leisten haben, fünf Besuche in der Ausstellung sind noch nothwendig, um Alles gesehen zu haben, außerdem ist jetzt eine Pferde Ausstellung und am 10. ein Preisreiten, später eine Regatta und ein Jubiläums Scheibenschiessen, an 6 Morgen habe ich Truppen zu inspiciren und an den Montagen und Donnerstagen Audienzen. Erst wenn es klarer werden wird, wie lange die Delegationen dauern werden und wann ich daher meine beiden Delegations Diners geben kann, werde ich bestimmen können, wann ich der hiesigen Hetze ein Ende machen und in den ruhigeren Thiergarten zurückkehren kann. / Nun leben Sie wohl, theuerste Freundin und denken Sie manchmal in ruhigen Augenblicken, die Ihnen auch selten gegönnt sind, an Ihren Sie innigst liebenden Franz Joseph." Mit Kuvert (unbeschriftet).

Stark gekürzt gedruckt bei Bourgoing 274 f. und Hamann 343 f. - Die Freundschaft zwischen dem Kaiser und der mit Baron Miklos Kiss de Ittebe verheirateten, jedoch von ihm getrennt lebenden Burgschauspielerin Katharina Schratt (1853-1940) währte rund drei Jahrzehnte, wurde von Kaiserin Elisabeth durchaus begünstigt und fand ihren Niederschlag in vielen meist ausführlichen Briefen, die der oft einsame Monarch an seine Freundin richtete. Sie geben intime Einblicke in die Persönlichkeit Franz Josephs und sollten nach seinem Wunsch verbrannt oder zumindest streng unter Verschluss gehalten werden, doch gelangten rund 900 davon nach dem Tod von Schratts kinderlosem Sohn Anton Kiss (1970) in die Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, einige auch in den Autographenhandel. Ofen: historische deutsche Bezeichnung für Buda, das 1873 mit Pest vereinigt wurde; 1896 feierte man hier das Millenium der magyarischen Landnahme mit einer großen Ausstellung und einem prunkvollen Festzug vor dem Kaiserpaar. "neue Lufterzeugungs Maschine": elektrischer Ventilator (der nach Bad Ischl transferierte Vorgänger befindet sich heute noch in der Kaiservilla). "Ketterle": Eugen Ketterl, letzter Kammerdiener des Kaisers (1859-1928). "Paar": Eduard Graf von Paar, Generaladjutant Franz Josephs (1837-1919). "Obergespäne": oberste Beamte der ungarischen Komitate. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-25
€ 4500,-


Hoffmann, Josef, Architekt (1870-1956)

Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift, 1 Seite, (Wien), 17. 1. 1931 (Poststempel), mit eigenhändigem gelaufenem Briefkuvert. - An Oskar Hans Menges. "Sehr geehrter Herr! Besten Dank für Ihre Glückwünsche von Ihrem Josef Hoffmann".

Dekoratives Autograph des Mitbegründers der "Wiener Secession" und der "Wiener Werkstätte". Weiterlesen

Bestellnummer 2609-34
€ 350,-


Horzalka, Johann Evangelist, Pianist und Komponist (1798-1860)

Musikalisches Albumblatt mit eigenhändiger Notenzeile und Widmung mit Namenszug, Wien, 6. 10. 1841. - "Zur Erinnerung dem Freund Jos. Doppler von J. E. Horzalka". Klavierstück "Moderato", 7 Takte in 2 Systemen. - Unten ungleichmäßig beschnitten.

Vgl. Wurzbach 9, 335. - Sehr selten. J. E. Horzalka, Sohn eines mährischen Schullehrers und Organisten, studierte bei Ignaz Moscheles und Emanuel Aloys Förster und arbeitete ab 1832 als Pianist und Korrepetitor am Theater an der Wien. Er schrieb unter anderem Bühnenmusik zu Franz Grillparzers "Des Meeres und der Liebe Wellen" und Ernst Raupachs "Der Müller und sein Kind". Der Musiker Josef Doppler war als Kopist und Bearbeiter von Werken Schuberts tätig. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-35
€ 360,-


Jeritza, Maria, Opernsängerin (1887-1982)

Fotoporträt-Postkarte mit eigenhändigem Namenszug im weißen Rand (in Bleistift). - Rollenporträt als Tosca. Aufnahme des Wiener Fotoateliers Setzer (vorderseitig Blindprägung, rückseitig Stempel).

Die Aufnahme wurde im September 1922 in der amerikanischen Zeitschrift Shadowland veröffentlicht. Im November 1921 hatte die Jeritza die Rolle der Tosca in New York gesungen, wobei sie während einer Probe auf der Bühne ausgeglitten war und ihre Arie "Vissi d'arte, vissi d'amore" auf dem Boden liegend gesungen hatte statt wie vorgesehen auf dem Sofa. Puccini war davon so begeistert, dass er das in die Regieanweisungen aufnehmen ließ. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-38
€ 100,-


Joseph II., römisch-deutscher Kaiser (1741-1790)

Gedruckte und geschriebene Urkunde auf Papier mit eigenhändiger Unterschrift und papiergedecktem Siegel, Wien, 16. 11. 1780, 49,5 x 70 cm (gefaltet). - Oberstenpatent für Oberstleutnant Joseph Frohn vom Waldeggschen Dragonerregiment. Mit gestochener Titulatur und Bordüre. Zwei Gegenzeichnungen, darunter Hofkriegsratspräsident Feldmarschall Andreas Reichsgraf Hadik von Futak (1710-1790), Taxstempel. - Geringfügige Bugmängel, insgesamt sehr gut erhalten.

"... in mildester Erwegung dessen seithero Uns, und Unserem Durchlauchtigsten Erzhaus in militari geleisteter treu gehorsamsten Diensten, dadurch erlangter Kriegs-Erfahrenheit, und sich erworbener Verdiensten ... zu Unseren Kai[ser]l: Königl: Obersten zu Pferdt huldreichest ernennet, erhoben, und bestellet haben ...". Dekorative großformatige Urkunde aus dem ersten Jahr von Josephs Alleinregierung. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-39
€ 370,-


Kalbeck, Max, Musikschriftsteller (1850-1921)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 2 Seiten auf Doppelblatt, kl-8, Wien, 10. 12. 1903. - "Lieber Freund! Anno 1891 wurden Brahms und ich gleichzeitig von der in Berlin frisch gegründeten 'Freien Bühne' um Beiträge zu einer Verlosung von Autographen angegangen. Als hätten wir uns mit einander verabredet, erfüllten wir den Wunsch mit polemischen Hieben. Ich zeigte Brahms das gegen die naturalistischen Stürmer gerichtete Epigramm: 'Im Mondschein glänzt ein Haufen Mist, als ob er eitel Gold und Silber wäre; Gemeines adelt nur der Humorist, erblickt er es aus seiner höhern Sphäre'. Er sagte lachend 'Bravo' und fügte hinzu: 'Ich habe ihnen auch eins drauf gegeben!' Dann holte er das von Dir copirte Albumblatt und meinte: 'Das ist hoffentlich deutlich genug.' Otto Brahm wird die Stelle aus Goethes 'Deutschem Parnaß' gleich gekannt und ihre Beziehung verstanden haben. Der glückliche Gewinner des Blattes und andere kaum. Dir aber danke ich für die Mitteilung der Reliquie und muß es Dir vorläufig überlassen, den Canon herauszufinden, der wohl dahinter steckt. Mir fehlt jetzt die Zeit zu solchen Experimenten. Herzlich grüßend Dein Max Kalbeck." - Beiliegend ein kleines aufgezogenes Zeitungsporträt.

In Breslau aufgewachsen, kam Kalbeck 1880 nach Wien und wurde hier zu einem einflussreichen Kritiker. Er war Parteigänger und enger Freund von Johannes Brahms und verfasste eine umfangreiche Biographie des Komponisten. Der deutsche Kritiker, Theaterleiter und Regisseur Otto Brahm (1856-1912) wurde 1889 Präsident des Berliner Theatervereins "Freie Bühne", der sich der Aufführung sozialkritischer Dramen der Naturalisten widmete. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-42
€ 175,-


Laske, Oskar, Maler und Illustrator (1874-1951)

Eigenhändiger Brief mit Paraphe, 1 Seite, kl-4, Wien, 25. 11. 1947. - An eine Dame. "Verehrte gnädige Frau! Sie können sich gar nicht vorstellen, welche Freude es für einen Maler ist, einmal wieder ordentliche Farben zu haben. Ich habe das Päckchen heute vom Künstlerhaus abgeholt - Tausend Dank, auch für die vorherige Sendung. - Wir hoffen sehr, Sie bald wieder in Wien, in der Nisselgasse zu sehen. Schade, daß Sie zu Weihnachten nicht schon hier sind. - Ich bin sehr fleißig und würde Ihnen gerne alle meine Sachen zeigen. Ich hab auch wieder zwei neue Bücher illustriert. Das ist aber schwer damit, die Verleger jammern über Papiermangel, oder Buchbinderstreike[?] oder Druckschwierigkeiten aller Art. - Sehr gerne würde ich irgendwo draußen Winter malen, aber das ist auch nicht leicht durchzuführen, haupts. ist man an allen Enden nötig. Herzlichste Grüße und frohe Weihnachten o. L.". Zensurstempel. - Vier Randrisse mit Klebeband hinterlegt.

Laske und seine Frau lebten in der Nachkriegszeit in Wien unter äußerst prekären Verhältnissen und wurde von ausländischen Freunden materiell unterstützt. 1947 erschienen die von Laske illustrierten Bücher "Casanova in Petersburg" (von Joseph Gregor) und "Der Ritt auf dem Einhorn" (von Ernst Scheibelreiter). Weiterlesen

Bestellnummer 2609-47
€ 300,-


Lefler, Heinrich, Maler und Graphiker (1863-1919)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, kl-8, (Wien), 23. 1. (um 1895?). - Wohl an den Kunsthändler Valentin Andreas Heck (1842-1905). "Geehrtester Herr Heck! Hier ist der vorläufig korrigierte Heine; bitte also wie ich mit Robert besprochen eine Cabinetaufnahme machen zu lassen. Vielleicht verständigen Sie mich, wenn die Aufnahme fertig ist; ich komme dann zu Ihnen um das Bild durchzusprechen. In vorzüglicher Hochachtung grüße verbindlich Heinrich Lefler."

Lefler gehörte zu den wichtigsten Künstlern des Wiener Jugendstils; er war Gründungsmitglied des Hagenbundes und unter der Direktion von Gustav Mahler Ausstattungsleiter an der Wiener Hofoper. Der Wiener Kunstverlag V. A. Heck beschäftigte sich auch mit Photographie; Robert Heck wurde später Inhaber der Firma. Vermutlich bezieht sich der Brief auf Leflers Bild "Heinrich Heine und Elise Krinitz", zu dem uns leider keine näheren Informationen vorliegen. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-48
€ 140,-


Lehár, Franz, Komponist (1870-1948)

Porträtpostkarte aus der englischen "Rotary Photographic Plate Sunk Gem Series" mit gedruckter Notenzeile aus "The Merry Widow" (Die lustige Witwe) und eigenhändiger Unterschrift auf der Bildseite.

Lehárs bekannteste Operette "Die Lustige Witwe" wurde am 30. 12. 1905 im Theater an der Wien uraufgeführt. Basil Hood erstellte davon 1907 eine englische Fassung, die ebenfalls sehr erfolgreich war. 1912 reiste Lehár nach London, wo er die britische Premiere von "Gipsy Love" (Zigeunerliebe) dirigierte. Vermutlich entstand bei diesem Englandaufenthalt das vorliegende, in dieser Form ungewöhnliche Sammlerstück. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-50
€ 370,-


Lehár, Franz, Komponist (1870-1948)

Kärtchen (7 x 11,5 cm) mit schwungvoller großer Unterschrift. - MInimale Knickspur.

Franz Lehár bekannte sich während seines ganzen Lebens durch seine Unterschrift zu seiner ungarischen Herkunft, indem er nach ungarischer Art seinen Taufnamen Ferenc (Franz) dem Familiennamen hintansetzte. Den Namen ‚Ferenc‘ kürzte Lehár meist mit einem violinschlüsselartigen Schnörkel ab und behielt diese Schreibweise auch dann bei, wenn er später mit deutschem Vornamen unterschrieb (Wikipedia). Weiterlesen

Bestellnummer 2609-51
€ 120,-


Leoncavallo, Ruggero, Komponist (1858-1919)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, kl-4, Bagni di Montecatini, 15. 10. 1917. - An den Dramatiker, Journalisten und Drehbuchautor Valentino Soldani (1873-1935). "Caro Soldani. Tornato da Milano speravo trovare la sua lunga lettera ed il contratto con le modificazioni per 'Mirandolina' promessimi con la cartolina del 6 ott[obre] da Firenze nella quale mi chiedeva dove precisamente mi sarei trovato, ma ... non ho trovato nulla. Mi urge di avere il contratto di 'Mirandolina' perchè più che probabilmente avrò una buona nuova di darle ... Niente d'Italia! Volevo anche sapere se Le è riuscito di vedere la film della Giulietta Bertini e se se ne è occupato perchè anche questo preme molto. Le dico in confidenza che al Capitalista piace molto quel soggetto e non so se lo troverei disposto così per un altro. Urgo quindi decidere! In fondo: ci sono stati due Cristi, due Traviate, due Cavallerie e questo non ha impedito alla migliore delle due di far quattrini e di aver successo. Dunque? Scriva e presto. Saluti cordiali suo Leoncavallo".

Inhaltsreicher Brief aus Leoncavallos letzten, bereits von Krankheit überschatteten Lebensjahren. Der Komponist plante mit Soldani eine Vertonung von Goldonis meisterhafter Komödie "La locandiera" (nach der Hauptfigur oft "Mirandolina" genannt), die nicht mehr zustande kam. "Giulietta Bertini": Der Komponist meint hier offensichtlich die Filmschauspielerin Francesca Bertini (1892-1985), die in dem 1912 erschienenen Stummfilm "Romeo e Giulietta" die weibliche Hauptrolle spielte. Auch an eine Bearbeitung dieses Shakespeare-Stücks dürfte Leoncavallo laut dem vorliegenden Brief noch gedacht haben; zu dieser Zeit arbeitete allerdings auch bereits der Komponist und Dirigent Riccardo Zandonai (1883-1944) an seiner Oper "Giulietta e Romeo", die 1922 uraufgeführt wurde. "Capitalista": der unterstützende Geldgeber. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-53
€ 850,-


Liebermann, Ernst, Maler und Graphiker (1869-1960)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 4 Seiten auf 2 Doppelblättern mit dekorativer Briefkopf-Vignette (je 2 Seiten Text und Beilage), gr-8, München (Briefkopf), 9. 11. 1906. - An den Kunsthistoriker Joseph Meder (1857-1934), damals Direktor der Graphischen Sammlung Albertina in Wien. "Hochverehrter Herr Direktor! Unter höflicher Bezugnahme auf eine Anregung des Herrn Dr. Tomaseth gelegentlich meines Besuchs der 'Albertina' im vergangenen Frühjahr erlaube ich mir Ihnen, hochverehrter Herr Direktor, in der Anlage eine Anzahl graphischer Arbeiten meiner Hand zur Ansicht zu übermitteln. Ich bitte die Blätter bis zur nächsten Ankaufsitzung behalten zu wollen. Es sollte mich freuen, wenn ausser der bereits in Ihrer Sammlung befindlichen farbigen Zeichnung noch weitere Arbeiten meiner Hand der Aufnahme gewürdigt werden sollten. Mit dem Ausdruck meiner vollsten Hochachtung Ihr ergebener Ernst Liebermann". Die Beilage listet Originalzeichnungen, Radierungen und Lithographien Liebermanns mit Preisen in Kronen auf und enthält eine Anmerkung zur Lithographie "Aus einer deutschen Kleinstadt".

Der in Berlin ausgebildete und vor allem in München tätige Künstler arbeitete zunächst überwiegend als Graphiker und wandte sich erst später der Malerei zu. Die von Herzog Albert von Sachsen-Teschen angelegte Albertina-Sammlung war 1906 noch habsburgischer Fideikommiss; 1919 ging sie in österreichisches Staatseigentum über. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-55
€ 140,-


Lwow, Alexej Fjodorowitsch, Violinist und Komponist (1798-1870)

Eigenhändiger Brief in französischer Sprache mit Unterschrift, 1 Seite (Trauerrand), in-8, ohne Ort und Jahr (6. Dezember). - An einen Herrn bezüglich eines Treffens. "Mon cher Monsieur Kupffer. J'ai tout-a-fait oublié que Jeudi dans la soirée, j'ai une grande répétition au Chartres. Mais si vous voulez venir Jeudi à 3. heures, je suis à vous juqu'à 5. - J'ai envoyé prevenir ... [ungelesen]. - Tout à vous / Alexis de Lvoff". - Rückseitig alter Sammlervermerk.

Lwow wurde in Reval geboren, stammte aus dem Fürstengeschlecht der Rurikiden und diente in der russischen Armee als Ingenieur. Er erreichte hier den Rang eines Generals und wurde zum Adjutanten von Zar Nikolaus I. ernannt. 1833 komponierte er nach einem Text von Wassili Schukowski die Hymne "Bosche, Zarja chrani!" (Gott, schütze den Zaren), die bis 1917 die Nationalhymne des Russischen Reichs war; die Melodie wurde später auch von Tschaikowski verarbeitet. In St. Petersburg leitete er die kaiserliche Hofsängerkapelle, gründete ein Streichquartett und veranstaltete in seiner Privatresidenz wöchentliche Konzerte, an denen gelegentlich auch musikalische Größen wie Franz Liszt, Robert und Clara Schumann oder Hector Berlioz teilnahmen. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-57
€ 500,-


Malipiero, Gian Francesco, Komponist (1882-1973)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift in leicht fehlerhaftem Deutsch, 2 Seiten, kl-4, Asolo (Treviso), 14. 11. 1961, mit blindgeprägtem Briefkopf der Accademia Tiberina. - An Egon Seefehlner, damals Generalsekretär des Wiener Konzerthauses und stellvertretender Direktor der Wiener Staatsoper. - "Hochgeehrter Herr Doktor / ich habe heute gleichzeitig Ihren Brief und Ihren Telegramm bekommen. Ich habe sofort an Doktor Pawek, Apostelstrasse 11, Köln, die Begrüssungadresse geschickt. Hierbei die Abschrift. Ich habe mich nicht getraut auf deutsch zu schreiben. Auf eine fremde Sprache kann man leicht das Gegenteil schreiben, von das was man sagen will. / Es hat mich gefreut, nach einen so langen Schweigen, etwas von Ihnen zu hören. Sie haben mit Theater zu tun, ich auch, aber Italien kann nicht neue Oper-Formen vertragen; wenn die Heimat schon feindlich gesinnt ist, im Auslande was kann man haben? Zum Beispiel meine 2 wirkliche Erfolge an der Piccola Scala in Mailand, hat meine Feinde sehr aufgeregt. Aufrichtig gesagt, mir ist es ganz gleichgültig. Auch meine Feinde, am Ende der Komödie, werden von den Würmern gefressen. Ich begrüsse Sie herzlichst Ihr G. Francesco Malipiero ...". Mit eigenhändigem Kuvert.

Schöner Altersbrief. Der italienische Komponist und Musikwissenschaftler studierte kurze Zeit am Wiener Konservatorium. 1922 erwarb er ein Haus in Asolo bei Venedig, lebte darin bis zu seinem Tod und war noch in hohem Alter bemerkenswert produktiv. Während ihm in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen seine überzeugendsten Kompositionen gelangen, hatte er mit seinen späteren Literaturopern weniger Erfolg. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-59
€ 300,-


Maximilian (eigentlich Ferdinand Max[imilian]), Kaiser von Mexiko (1832-1867)

Aktenausschnitt von Schreiberhand mit eigenhändiger Unterschrift als Erzherzog aus seiner Zeit als Marinekommandant, Pola, 2. 11. 1854. - "... in[!] Angesicht der Diga von Malamocco angelangt sein wird, und für dieses Schiff weiter nichts zu besorgen ist, werden sie[!] allsogleich nach Triest rückehren[!] ...". - Unregelmäßig beschnitten.

Der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph unterhielt schon früh gute Beziehungen zur Marine und reiste viel zu Schiff. 1854 zum Oberkommandant der k. k. Kriegsmarine ernannt, machte er sich um die Reorganisation dieser bisher vernachlässigten Waffengattung verdient. Die Diga di Malamocco ist einer der drei Dämme, die die Lagune von Venedig von der Adria trennen. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-60
€ 175,-


Milhaud, Darius, Komponist (1892-1974)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 2 Seiten auf Doppelblatt, in-8, Turin (Briefkopf), 5. 3. 1936. - Dankt Émile Fabre, damals Intendant der Comédie-Française, für die sorgfältige Aufführung seiner Bühnenmusik "Bolivar". "Mon cher Administrateur / Excusez moi d'avoir tant tardé à vous remercier du soin avec lequel, grâce à vous, ma partition pour Bolivar a été mise au point. J'ai été très heureux de 'faire mes débuts' à la Comédie Française! J'ai été très touché de voir combien on a répété cette musique: orchestre, choeurs, chant, tout a été admirablement rendu. Je vous prie de transmettre mes remerciements à tous mes interprètes, à commencer par Charpentier qui a eu tout le poids, toute la responsabilité du travail de mise au point, mon voyage en Algérie m'ayant eloigné de Paris juste pendant ces jours de répétitions. J'éspère que le gros effort que vous avez fait pour Bolivar et l'admirable mise en scène qui donne à ce spectacle un éclat particulier, trouveront un écho profond chez le public dont les réactions sont si souvent mystérieuses. Encore merci, de tout coeur, et croyez, mon cher Administrateur, à l'assurance de mes sentiments les plus dévoués / Milhaud". - Auf der zweiten Seite eine Bleistiftanmerkung von fremder Hand: "musique de scène de Supervielle".

Milhauds Bühnenmusik "Bolivar" (op. 148) entstand 1936 zu einem Theaterstück von Jules Supervielle. Seine gleichnamige dreiaktige Oper (op. 236) folgte 1943 und wurde 1950 uraufgeführt. Émile Fabre (1869-1955) war Dramatiker und leitete von 1915 bis 1936 die Comédie-Française. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-62
€ 300,-


Millöcker, Carl, Komponist (1842-1899)

Eigenhändiges Schriftstück mit Unterschrift, 1 Seite, in-8, (Wien), 11. 10. 1872. "Bestätige, den Betrag von 20 fl [Gulden] für die Musik zu: Hans Wiener u. Sohn, von Herrn Franz Kratz dem ich dieselbe für alle Bühnen überlasse, erhalten zu haben / achtungsvollst C. Millöcker". Mit gedrucktem Monogramm. - Restaurierter Eckabriss.

Millöcker wurde 1869 Zweiter Kapellmeister am Theater an der Wien und schrieb in den folgenden Jahren zahlreiche Musikstücke für die Bühne. "Hans Wiener und Sohn oder Millionenschwindel. Original-Zeitbild mit Gesang in drei Acten und sechs Bildern" wurde von dem Wiener Schriftsteller und Schauspieler Eduard Dorn (1826-1908) verfasst. Franz August Kratz war Theaterdirektor und -agent, seine Tochter war die Sängerin Anna Kratz (1837-1918). Weiterlesen

Bestellnummer 2609-64
€ 165,-


Moscheles, Ignaz, Komponist und Pianist (1794-1870)

Ausführlicher eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 1/2 Seiten, in-8, Leipzig, 3. 10. 1865. - An einen Herrn Eugen von Blum über die Annahme eines Schülers. "Geehrter Herr. Ihrer Anfrage zu Folge, erlaube ich mir Folgendes zu erwiedern. Meine Stellung am hiesigen Conservatorium, läßt mir nur wenige Muße-Stunden übrig. Im allgemeinen übernehme ich nicht Privat-Schüler, nur ausnahmsweise gebe ich den vorgerückten Schülern, oder besonders begabten Talenten zu dem Preise von 2 Fl: [Gulden] Stunde. Wenn ich dem von Ihnen vorgeschlagenen 14jährigen Knaben Privat-Unterricht geben sollte, würde ich mich dem unterziehen, wenn er keine fehlerhafte Technik hätte, u. auffassungsfähig wäre. Auch ließe sich ein Hilfslehrer anstellen der für den erstern Fall unter meiner Aufsicht helfen könnte. Ein schwieriger Punkt müsste auch berücksichtigt werden: Daß er in einer Familie untergebracht werde, welche die Verantwortlichkeit übernehme, auf seinen Fleiß und seine moralische Aufführung ein wachsames Auge zu haben. Daß außer Musik, auch für seine geistige Bildung gesorgt werden sollte, versteht sich von selbst. Wenn meine Andeutungen berücksichtigt werden können, bin ich bereit ihm 1 bis 2 Stunden je Woche zu geben. Mit besonderer Hochachtung Ergebenst I. Moscheles". - Beiliegend ein zeitgenössisches Stahlstichporträt um 1840 (stockfleckig).

Moscheles stammte aus Prag, studierte in Wien, war mit Beethoven befreundet und wurde 1824 Lehrer von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Nachdem er längere Zeit in London gelebt hatte, übernahm er 1846 auf Einladung Mendelssohns die Klavierklasse am 1843 gegründeten Leipziger Konservatorium. Er galt als einer der hervorragendsten Klaviervirtuosen Europas und war als Pädagoge von vorbildlicher Gewissenhaftigkeit. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-67
€ 400,-


Nordau, Max, Arzt, Schriftsteller und Zionist (1849-1923)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 4 Seiten, kl-8, Paris, 27. 10. 1901. - An Carl Lill von Lilienbach. "Hochgeehrter Herr Oberleutnant, Ich habe natürlich Ihren Aufsatz über 'dynamisches Fliegen' mit größtem Interesse gelesen. Es ist nicht zweifelhaft, daß Sie mich auf diesem Gebiete lehren können. Daß die Fliegevorrichtung bald erfunden sein wird, glaube ich Ihnen ohne Weiteres. Das die Erfindung auf die Dauer tief in die Verhältnisse der Gesittung eingreifen wird, ist ebenfalls gewiß. Für eine absehbare Zeit - ich bitte Sie, mich deswegen zu entschuldigen - muß ich aber dennoch an meinen Folgerungen festhalten. Ich sehe noch immer nicht, wie meine Beweisgründe widerlegt werden sollen. Was wollen Sie mit großen Gütermassen, vorausgesetzt, daß die Flugmaschine jemals zu ihrer Beförderung taugen wird - in un- oder dünnbevölkerten Ländern anfangen? Dort sind sie unverkäuflich. An jeder Stelle aber, wo für größere Gütermengen Lagerraum, Handelseinrichtungen und ein Markt vorhanden sind, gibt es heute in allen Ländern der Welt Zollbehörden oder sonstige staatliche Aufsichtsorgane. Erfindungen bringen ihre volle Wirkung immer erst hervor, wenn die Gesittung an den Punkt gelangt ist, wo sie für jene die richtige Würdigung und Verwerthung hat. Es ist richtig, daß die Erfindungen auf den Entwicklungsgang der Gesittung beschleunigend einwirken. Aber diese Beschleunigung hat ihre Bedingungen und Grenzen. Ich bezweifle, daß die taciteischen Germanen mit der Eisenbahn etwas anzufangen gewusst hätten, wenn ein Erfinder sie ihnen gebracht haben würde. In the long run würde der Menschenflug die Gefühle und Anschauungen der Menge umgestalten. Aber nicht gleich. Nicht einmal bald. Wer hindert uns denn jetzt, frei zu sein, uns über Kasten- und Volksthums-Schranken hinwegzusetzen? Eisenbahn und Seeschifffahrt genügen dazu. Aber die Gefühls- und Denkweise der Menschen widersetzt sich solcher Umwälzung, und das würde auch nach der Erfindung der Fliegevorrichtung zunächst - und lange - nicht anders werden. Dagegen bin ich ganz mit Ihnen darin einverstanden, daß man im Allgemeinen jedes verheißungsvolle Streben ermuthigen, nicht entmuthigen soll. Sie haben Recht: ich hätte vielleicht dem Optimismus zu Gefallen Opportunismus treiben sollen. Ich wünsche Ihnen aus vollem Herzen, daß die Lösung des Fliege-Problems Ihnen gelingen möge und daß die Menschheit Ihren Namen über die von Watt und Stephenson zu schreiben habe, und bin mit ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebenster Dr. M. Nordau." - Beiliegend ein Schreiben eines Redakteurs der Neuen Freien Presse an denselben Empfänger, Wien, 21. 10. 1901. Teilt die Pariser Adresse von Max Nordau mit und sagt ein Honorar zu.

Nordau (eigentlich Max Simon Süßfeld) stammte aus Pest und lebte seit 1880 in Paris, wo er als Armenarzt und Schriftsteller tätig war. Während der Herausgabe seines zweibändigen Werks "Entartung" - eines Stücks radikaler Zeit- und Kulturkritik - lernte er Theodor Herzl kennen, war von der Idee des Zionismus begeistert und wurde zu einer der frühen Führungspersonen der jüdischen Nationalbewegung. Nach Herzls Tod (1904) geriet Nordau allmählich in Gegensatz zur zionistischen Führung. Der österreichische Offizier Carl Lill von Lilienbach war Ausschuss-Mitglied im Wiener Flugtechnischen Verein, veröffentlichte Publikationen zum Motor- und Segelflug und beschäftigte sich mit der Verbesserung der Kurzschrift. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-70
€ 750,-


Orff, Karl, Komponist (1895-1982)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 2 Seiten, quer-8, 25. 12. 1965, Diessen am Ammersee / St. Georgen (Briefkopf). - "Liebe Frau Erler - Sehr herzlichen Dank für das Blatt, mit dem Sie mir eine große Freude gemacht haben und das meine Sammlung wesentlich bereichert. Wie gern käme ich einmal wieder in der Arbeit (aber auch sonst!) mit Ihnen zusammen - Beiliegend ein kleiner Weihnachtsgruß. Das Stück wurde nur in Stuttgart (Canada u[.] Tokio!) aufgeführt. Es geistert sonst nur bei Laien- und Schulaufführungen herum. Auch nicht das wahre; wenngleich ich Schulaufführungen, sofern sie Niveau haben sympathisch gegenüberstehe. - Sollten Sie einmal wieder in München sein, so rufen Sie doch an. Mit allen guten Wünschen für 66 und nochmaligem Dank Ihr Carl Orff".

Orff erwarb 1954 zusammen mit seiner damaligen Frau, der Schriftstellerin Luise Rinser, ein Anwesen im bayerischen St. Georgen bei Dießen am Ammersee erworben und ließ es umbauen. Sein Arbeitszimmer ist im Originalzustand erhalten geblieben und bildet einen Teil des Carl Orff Museums. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-73
€ 275,-


Orlik, Emil, Maler und Graphiker (1870-1932)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift und Namensstampiglie, 1/2 Seite, kl-4, Berlin, 21. 4. 1928. - An Heinrich Meng. "Sehr geehrter Herr Dr. Meng! Besten Dank für die Aufforderung meinen Namen unter jenes Schriftstück setzen zu dürfen, das für Freud den wahrhaftig verdienten Nobelpreis fordert! Ihr sehr ergebener Emil Orlik". - Kleine restaurierte Randmängel.

Sigmund Freud erhielt die begehrte Auszeichnung nicht und notierte im Oktober des folgenden Jahres: "im Nobelpreis übergangen"; der Psychoanalytiker Meng (1887-1972) begründete die Psychohygiene als akademisches Lehrfach. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-74
€ 260,-


Pfitzner, Hans, Komponist (1869-1949)

Musikalisches Albumblatt mit eigenhändiger Notenzeile und Unterschrift, Karton quer-kl-4 mit dreiseitigem Rotschnitt, 2. 12. 1905. - Zwei Notenzeilen in großer Schrift aus "Die Heinzelmännchen". - Attraktives, großzügig geschriebenes Autograph.

"Die Heinzelmännchen" (op. 14), eine Ballade für tiefen Baß und großes Orchester nach einem populären Gedicht von August Kopisch, entstand 1902/1903. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-77
€ 950,-


Popper-Lynkeus, Josef, Sozialphilosoph und Schriftsteller (1838-1921)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, kl-8, Marienbad (Villa Charlotte), 22. 8. 1903. - An Carl Lill von Lilienbach. "Hochgeehrter Herr Oberlieutenant! Ich erhielt Ihr Werthes vom 21. d. & ersehe daraus, daß Sie nach wie vor höchst energisch Ihre Studien betreiben, &, indirect folgere ich, daß Ihre Gesundheit wieder vollkommen hergestellt ist. Wenn Sie Ihr Manuscript über Nietzsche hieher schicken wollen, so will ich gerne Ihren Wünschen entsprechen, es lesen & eventuell Bemerkungen anbringen. (Ganz geradeaus, wie gewiß auch Sie voraussetzen). Von den Feuilletons kann ich leider Ihnen keine Sammlung schicken, ich besitze nur 2 Exempl[.], die ich dringend benöthige. Aber im Winter erscheint das Ganze als Brochure. Mit bestem Gruße hochachtungsvoll Josef Popper / Ich bin bis Mitte September in Marienbad." Zwei Zusätze mit anderer Tinte. - Minimal fingerfleckig.

Der aus einer jüdischen Familie stammende Josef Popper verwendete sein Pseudonym Lynkeus später auch in einem Doppelnamen; seine Ideen zur sozialen Frage fanden seinerzeit große Beachtung. Er war mit Ernst Mach befreundet, wurde unter anderem von Albert Einstein hoch geschätzt und war ein Onkel des Philosophen Karl Popper. Im Brotberuf Ingenieur, meldete er eine Reihe von Patenten an und publizierte 1896 eine Arbeit mit dem Titel "Flugtechnische Studien". - Der österreichische Offizier Carl Lill von Lilienbach war Ausschuss-Mitglied im Wiener Flugtechnischen Verein, veröffentlichte Publikationen zum Motor- und Segelflug und beschäftigte sich mit der Verbesserung der Kurzschrift. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-80
€ 220,-


Reznicek, Emil Nikolaus von, Komponist (1860-1945)

Brauntoniges Fotoporträt 23 x 17 cm (Brustbild halbrechts), auf Karton mit undeutlicher Fotographensignatur montiert, über dem Bild eigenhändige Widmung und Unterschrift, Berlin, 20. 10. 1928. - "Herrn städt. Musikdirektor Wilhelm Schmitt zur freundlichen Erinnerung an die Uraufführung des 'In Memoriam' am 5. 10. 1928 in Darmstadt und an E. N. v. Reznicek." Der Untersatzkarton unfrisch und mit Knitterspuren. - Beiliegend eine ebenfalls auf die genannte Uraufführung bezugnehmende eigh. Postkarte mit Unterschrift Wilhelm Schmitt Berlin, 30. 8. 1928, mit Erwähnung des Dirigenten Karl Böhm.

Der in Wien aufgewachsene Dirigent, Kapellmeister und Komponist war 1903 mit seiner Familie nach Charlottenburg bei Berlin übersiedelt. Sein Chorwerk "In Memoriam" für Alt, Bariton, gemischten Chor, Orgel und Streichorchester entstand 1915 und wurde später überarbeitet, worauf auch die Postkarte Bezug nimmt. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-83
€ 260,-


Rosegger, Peter, Schriftsteller (1843-1918)

Eigenhändiger Brief mit Paraphe, 1 Seite (Briefkopf des "Heimgarten", Graz), in-8, Krieglach, 19. 8. 1887. - An einen Schriftsteller. "Sehr geehrter Freund! Beiliegendes kleines Vorwort in Briefform bitte ich denn - wenn es Ihnen behagt - Ihrem Buche vorzudrucken. Ich habe jetzt das Buch allerdings nur ganz flüchtig durchsehen können, fühle aber, daß ich die Einführung wohl werde verantworten können. Ich leide wieder recht stark an mein[em] Brustübel, hoffe aber von der kühleren Jahreszeit wieder Erquickung. Wir Waldbären können keine Hitze ertragen. Vom Vorwort erbitte ich mir Correcturabzug. Herzlich grüßt Sie R." - Geringfügig knittrig.

Roseggers gesundheitliche Konstitution war zeitlebens schwach. 1877 brach bei ihm ein Asthmaleiden aus, an dem er bis zu seinem Tode litt. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-85
€ 220,-


Rosegger, Peter, Schriftsteller (1843-1918)

Eigenhändig beidseitig beschriebene gedruckte Visitkarte, Graz, 28. 12. 1901. - "Liebe Freunde! Als Weihnachtsgruß verspätet, als Neujahrsgruß verfrüht. Ich wollte immer selber kommen, leide aber an einem kleinen Hausarrest, den ich mir durch lebhaften Verkehr mit den Ärzten zugezogen habe, den ich allerdings manchmal auf kurze Zeit durchbreche. - Von ganzem Herzen unseren Glückwunsch zum neuen Jahre! Immerdar Euer (Peter Rosegger) samt Weib und Kind."

Rosegger hatte mit seiner früh verstorbenen ersten Frau zwei Kinder und aus seiner 1879 geschlossenen zweiten Ehe noch drei weitere Kinder. 1901 lebte nur noch die 1890 geborene Tochter Martha bei ihm. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-86
€ 175,-


Schönberg, Arnold, Komponist (1874-1951)

Karikatur (Tuschzeichnung) von Hans Lindloff auf Karton 37 x 30 cm, signiert und datiert "Lindloff 1913", darunter eigenhändige Widmung Schönbergs mit Notenzeile und Unterschrift, Mödling, 11. 7. 1920. - "Herrn Fritz Bauer, Berlin. Lieber Herr Bauer, man kann sich einen Menschen - und ich hoffe Sie tun das - noch etwas sympathischer vorstellen, als diese Karikatur vorschlägt. Und ich hoffe auch, wenn Sie dieses Andenken an mich erinnert, so denken Sie auch daran, worin ich - ich bin ja nicht besonders übel - immerhin anders bin. Sagen wir zum Beispiel, so: 'ich lö-se mich in Tö-nen' [unterlegter Text der Notenzeile] existiere also körperlich gar nicht. Und so ists auch am Besten. Herzl. Grüße Ihr Arnold Schönberg." Am linken Rand eigenhändiger Zusatz in Bleistift: "NB. Diese Flecken sind nicht von mir! Schönberg". - Rückseitig Montagespuren.

Der Maler und Graphiker Hans Lindloff (1878-1916) ist vor allem für seine gekonnten Musiker-Karikaturen (darunter Debussy, Busoni, Max Reger und Richard Strauss) bekannt. Schönberg lebte von 1901 bis 1903 und von 1911 bis 1915 in Berlin; beim Widmungsträger handelt es sich möglicherweise um den deutschen Gartenarchitekten Friedrich Bauer (1872-1937), der als Wettbewerbsgewinner den 1913 eröffneten Schiller-Park in Berlin gestaltete. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-90
€ 7500,-


Sinigaglia, Leone, Komponist (1868-1944)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 eng beschriebene Seite auf Doppelblatt (bräunliches Papier), kl-8, ohne Ort und Datum (um 1910). - An den Harfenisten und Komponisten Alfred Holý in etwas fehlerhaftem Deutsch. "Sehr geehrter Herr Holy, Verzeihen Sie wenn ich komme erst heute dazu, Ihnen für Ihre liebenswürdige Zeilen herzlichst zu danken! Ich bin in voller Arbeit, und schreibe in solcher Zeit nur selten, auch muss ich mich leider kurz fassen. Ich hab' sehr bedauert, Wien zu verlassen ohne bei Ihnen gewesen zu sein, es ging nicht anders. Ich komme aber sicher, vielleicht auf längerer Zeit, nächste Saison nach Wien - meine Lieblingstadt. Wie gerne hätte ich Sie einmal gehört! Das zugeschickte Programm ist wirklich sehr anziehend. Wenn ich einmal Zeit haben werde, mich mit Harfen-Musik zu beschäftigen, ich werde Ihnen mit Freude meine Composition vorlegen. Ich bin aber vorläufig durch grösseren Arbeiten sehr in Anspruch genommen und kann schwer sagen, wenn dies mir möglich wird. Unsere Hof-Theater Harfenistin Frl. Navone (ganz hervorragend!) wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie Ihr ein kleines Verzeichniss von interessanten Novitäten für Harfe gef[älligst] zusenden können* - Sie haben ja wohl die ganzen modernen Literaten inne - Frl. Navone kennt nur wenig, und nur das bekannteste. Wenn Sie mir eine kleine Auslese daraus gef. bekanntmachen, ich werde sie an Frl. Navone weitergeben. Vielen Dank! Mit herzlichsten Gruss Ihr Leone Sinigaglia / * Mit Angabe des Verlages - chromatische Harfe ausgeschlossen!"

Selten. - Der Turiner Komponist Sinigaglia lebte zeitweise er in Wien, wo er mit Brahms in Kontakt stand, und in Prag, wo er bei Dvorák Privatstunden nahm. Er sammelte und bearbeitete viele Volkslieder seiner Heimat und schrieb Kammermusik sowie Orchesterwerke, die von Dirigenten wie Toscanini, Furtwängler und Barbirolli aufgeführt wurden. Daneben war Sinigaglia begeister Bergsteiger, bestieg zahlreiche Gipfel der Dolomiten und schrieb darüber auch ein Buch. Als Jude sollte der 75jährige nach der Besetzung Turins (1944) nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert werden; er starb an einem Herzinfarkt, als man sein Versteck in einem Krankenhaus entdeckte. - Die Harfenistin und Musikpädagogin Carolina Betti Navone (1871-1950) wirkte von 1895 bis 1918 am traditionsreichen Opernhaus Teatro Regio di Torino. - Alfred Holý (1866-1948) galt als einer der besten Harfenvirtuosen seiner Zeit. 1903 holte ihn Gustav Mahler an die Wiener Hofoper und wurde hier der höchstbezahlte Harfenist in Europa. Nach Mahlers Tod ging Holý in die USA, wo viele seiner Kompositionen erschienen. 1928 kehrte er nach Wien zurück, konnte hier allerdings nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-93
€ 275,-


Spontini, Gaspare, Komponist (1774-1851)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift in französischer Sprache, 1 Seite, in-8, (Berlin), 12. 6. [1838]. - An Hofrat Johann Valentin Teichmann (1791-1860), Theatersekretär an der Generalintendantur der königlichen Schauspiele in Berlin (ohne Anrede). "Monsieur le Conseiller Teichmann voudrait-il être assez bon de prier Monsieur le Comte, afin qu'il veuille bien me faire expedier aujourdhui la note de Tuba (que j'enverrai de suite chez lui avec la C[ontre]Basse) et des cimballes! Puis de m'envoyer les lettres de récommandation pour Londres! Puis de faire ecrire à M[onsieur] Gerst pour confectionner la decoration de Cortez! Puis un mot de sa main, pour que mes appointements soient payez le 20 du courent, au lieu du 30! Puis enfin de fixer pour demain, mon dernier jour à Berlin, une Conference génerale!... Avec la plus parfaite estime Spontini". - An den Rändern aufgezogen, unmerklicher kleiner Einriss am linken Rand.

Schöner Brief aus Spontinis Berliner Zeit; vgl. dazu ausführlich Wilhelm Altmann, Spontini an der Berliner Oper, Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft 4 (1903), 244-292. - 1820 war der italienische Opernkomponist vom preußischen König Friedrich Wilhelm III., einem seiner Bewunderer, als Generalmusikdirektor und Erster Kapellmeister am Königlichen Opernhaus unter Vertrag genommen worden. Spontinis Tätigkeit war allerdings von künstlerischen und persönlichen Problemen belastet, die nicht zuletzt in seinem schwierigen Temperament wurzelten. 1838 erbat sich der Konponist, der an einer neuen Oper mit dem Titel "Die Stuarts" arbeitete, 2000 Taler zu einer Studienreise nach England und Schottland. Die Dotation wurde ihm zwar nicht gewährt, doch reiste Spontini auf eigene Kosten und war ab dem 14. Juni für längere Zeit von Berlin abwesend. Am englischen Hof wurde er höchst ehrenvoll empfangen und schrieb für Queen Victoria einige Kantaten. - "Monsieur le Comte": Graf Friedrich Wilhelm von Redern (1802-1883), preußischer Oberstkämmerer und Generalintendant für Schauspiel und Musik; "Gerst": Johann Karl Jakob Gerst (1792-1854), Berliner Theatermaler; "Cortez": Spontinis 1809 uraufgeführte und 1817 umgearbeitete Oper "Fernand Cortez". Weiterlesen

Bestellnummer 2609-95
€ 550,-


Suttner, Bertha von, Schriftstellerin und Pazifistin, Nobelpreisträgerin (1843-1914)

Eigenhändige Korrespondenzkarte mit Initialen, Wien (Zedlitzgasse 7), 6. 12. 1907. - In flüchtiger Schrift an Carl Lill von Lilienbach in Wien-Lainz. "Sehr geehr[ter] Herr / Freue mich lebhaft, wieder von Ihnen zu hören. Bitte bringen Sie mir Ihre Arbeit. Sonntag zwischen 12-1 ko[e]nnten Sie mich treffen[.] An andren Tagen aber zwischen 4-5. Hätte auch etwas Dringendes mit Ihnen zu sprechen. Mit Gr. B. S." Wischspuren. Mit gedruckter Werbeeinschaltung für die von Suttner 1890 gegründete "Österreichische Friedensgesellschaft". - Beiliegend ein Brief einer Friederike von Neuwirth an denselben Empfänger, Meran, 15. 1. 1901. Erwähnt mehrfach "Bertha" (von Suttner?).

Der österreichische Offizier Carl Lill von Lilienbach war Ausschuss-Mitglied im Wiener Flugtechnischen Verein, veröffentlichte Publikationen zum Motor- und Segelflug und beschäftigte sich mit der Verbesserung der Kurzschrift. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-97
€ 160,-


Zweig, Stefan, Schriftsteller (1881-1942)

Maschinschriftlicher Brief mit eigenhändiger Unterschrift, 2 Seiten, quer-8, Salzburg (Briefkopf mit Monogramm), 17. 2. 1933. - An einen Herrn, der ihn offensichtlich um Unterstützung für die Veröffentlichung von Gedichten gebeten hatte. "Sehr geehrter Herr! Wien war für mich eine vollkommene Hetzjagd. Ich komme dort kaum dazu meine nächsten Verwandten und Bekannten zu besuchen. Aber was Ihre Lyrik betrifft, werde ich Ihnen in einiger Zeit etwas Positives schreiben können. Es ist jetzt endlich in Deutschland ein Mann, der ohne grosse Mittel, nur mit innerer Au[f]opferung an die Sache geht, eine Zeitschrift für Lyrik zu gründen und zwar für exklusive Lyrik, in der Hoffnung, auf diese Art innerhalb des lernenden Deutschlands eine orphische Höhe des Gesanges zu schaffen, ein Refugium. Ich bin mit ihm in Korrespondenz, weil ich einen so ausserordentlichen Plan nicht unberaten lassen wollte und einige Leute arbeiten still und gleichzeitig an einer imaginären Liste der Mitarbeiter. Kommt die Sache zustande, so bin ich gewiss, Sie da in einen guten geistigen Kreis einführen zu können. Ich halte diese Art des Erscheinens in einem engsten, aber wissenden Kreis heute für wertvoller als die Publikation eines Buches. Mit den besten Grüssen Ihr Stefan Zweig". - Kleine Randmängel, mehrfach gelocht.

Schöner, für Zweigs Persönlichkeit kennzeichnender Brief. Die hier in Aussicht gestellte Zeitschriftengründung könnte sich eventuell auf die von Heinrich Ellermann herausgegebene Literaturzeitschrift "Das Gedicht. Blätter für die Dichtung" beziehen, die von 1934 bis 1944 erschien. Allerdings scheint eine Korrespondenz zwischen Zweig und Ellermann erst 1936 nachweisbar. Weiterlesen

Bestellnummer 2609-112
€ 1200,-