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Album Amicorum

"Der Freundschaft und Liebe geweiht" (Deckeltitel). Biedermeier-Stammbuch (Rückentitel: "Denkbuch"), angelegt 1829 von einer jungen Frau aus bürgerlichem Milieu im heutigen ungarisch-österreichischen Grenzgebiet, mit über 50 Eintragungen in meist gut lesbarer deutscher Schreibschrift, 5 Zeichnungen (davon 2 farbig), einem Scherenschnitt sowie etlichen unbeschriebenen Seiten. Quer-kl-8; dekorativer zeitgenössischer roter Leinenband mit reicher Deckel-, Rücken- und Kantenvergoldung sowie Goldschnitt (etwas berieben, vorderes Innengelenk geplatzt); stellenweise leicht bis stärker stockfleckig, insgesamt gut erhalten.

Die Eintragungen der Jahre 1829 bis 1831 stammen größtenteils aus Ungarisch-Altenburg (Mosonmagyaróvár), einzelne auch aus Zanneg (Mosonszolnok) und Eisenstadt, danach folgen bis 1844 kontinuierlich Eintragungen zumeist aus dem nördlichen Niederösterreich (Buchberg am Kamp, Gars, Göllersdorf, Krems, Lengenfeld, Prandlhof, Senftenberg, Weißenkirchen); ein einzelner Nachtrag stammt von 1859. Neben konventionellen Freundschaftsgedichten und Prosabeiträgen findet sich in dem Stammbuch auch ein vierzehnzeiliges Gedicht mit dem Titel "Die Ruinen bei Gars". Weiterlesen

Bestellnummer 2603-1
€ 360,-


Buber, Martin, Religionsphilosoph (1878-1965)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, kl-8, Jerusalem, 15. 10. 1941. - An den Rechtsanwalt, Übersetzer und Redakteur Max Strauss (1887-1956). "Lieber Dr. Strauss - Diesen Brief erhalten Sie durch Herrn Rudolf Kommer, der bei der Unterbringung des Romans freundlichst behilflich sein will. Geben Sie ihm dazu die Möglichkeit und machen Sie ihm den nicht anderweitig gebundenen Teil des Manuskripts zugänglich. Bestens Grüßend Ihr Buber". - Auf liniertem Papier, Faltspur.

Betrifft den 1938-1940 entstandenen Roman "Muckensturm" von Bubers Ehefrau Paula (1877-1958), der die Anfänge des Nationalsozialismus in einer deutschen Kleinstadt behandelt - gemeint ist damit Heppenheim, wo die Familie Buber von 1916 bis 1938 lebte. Nach der Verwüstung ihres Hauses durch die Nationalsozialisten emigrierten die Bubers nach Jerusalem. Aufgrund der Schwierigkeit, einen Verlag für das Buch zu finden, erschien es erst 1953, und zwar unter dem Pseudonym Georg Munk. - Max Strauss war ursprünglich in Berlin tätig, bevor er in die USA emigrierte. Der Journalist Rudolf K. Kommer (1886-1943) wirkte als Theateragent und Kulturvermittler zwischen Europa und Amerika; er lebte seit 1933 ebenfalls in den USA, wo er selbstlos Exilanten aus der Kulturszene unterstützte. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-6
€ 300,-


Delibes, Léo, Komponist (1836-1891)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 3 Seiten, kl-8, ohne Ort, 13. 1. [1882]. - An eine Sängerin. "Chère Madame et amie, vous devez savoir déjà par Heugel que notre Jean de Nivelle est remis à l'automne prochain. Je suis retenu chez moi par une forte bronchite que j'ai prise au concert de l'Hippodrome, et dès que je serai mieux, je viendrai causer avec vous. / Mais je ne veux pas prendre une minute pour vous informer d'une chose qui touche à vos intérêts et qui peut changer vos projets d'avenir; en même temps laissez moi vous dire que dans quelques conditions que soit representé mon ouvrage, je tiens pardessus tout à ce que le rôle de Simone soit crée par vous! / Veuillez croire, chère Madame, à toute ma sympathique admiration / Léo Delibes". - Mit zwei vom Schreiber überarbeiteten Tintenspritzern.

Der französische Opern- und Ballettkomponist Léo Delibes zählte zu den beliebtesten Bühnenkomponisten der Romantik ("Sylvie", "Lakmé") und wirkte auf Komponisten wie Tschaikowsky, Saint-Saëns und Debussy. Jacques-Léopold Heugel gründete 1839 den Musikverlag Éditions Heugel, der von seinem Sohn Henri noch bedeutend erweitert wurde und bis 2014 bestand. Delibes dreiaktige Oper "Jean de Nivelle" wurde am 6. März 1880 in der Pariser Opéra-Comique uraufgeführt und hielt sich danach in etlichen Opernhäusern für einige Zeit auf dem Spielplan. Das Pariser Hippodrome war ein 1845 eröffnetes großes Freiluft-Etablissement, das mehrmals seinen Standort wechselte; von 1877 bis 1892 befand es sich bei der Seinebrücke Pont de l’Alma. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-9
€ 275,-


Denkmalschutz

"Verfahren bei Auffindung alter Münzen, Denkmähler und Alterthümer." Verordnung des Brünner Kreisamts vom 10. 9. 1828 (gezeichnet Kreiskommissär Rudolph Eitlberger) mit Wiederabdruck des Circulars des mährisch-schlesischen Landesguberniums vom 3. 4. 1812, (4) pp, in-folio. - Geringfügig knittrig und fleckig, alter Registraturvermerk.

Die im Auftrag von Kaiser Franz I. verlautbarte Verordnung erinnert an die 1812 erlassene Anzeige- und Ablieferungspflicht für archäologische Funde. Schwer transportable Monumente sollen an eine Außenmauer der nächstgegelegenen Kirche eingemauert werden, für eingesandte Objekte wird eine finanzielle Vergütung in Aussicht gestellt. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-10
€ 85,-


Hanslick, Eduard, Musikkritiker (1825-1904)

Gedruckte Visitenkarte mit eigenhändigem Zusatz, 27. 1. 1900. - "Herrn Prof. Dr. Gänsbacher / "... erlaubt sich den Prüfungskandidaten Herrn Ernst Penzinger bestens zu empfehlen!" - Leicht fleckig.

Der in Prag geborene Hanslick wurde zunächst Jurist, wandte sich aber nach der Revolution von 1848 ganz der Musikästhetik zu. Er erhielt in Wien einen Lehrstuhl für Geschichte der Musik und wurde hier zu einem einflussreichen Kritiker des zeitgenössischen Musiklebens. Der Musikpädagoge Josef Gänsbacher (1829-1911) zählte zu den angesehensten Stimmbildnern seiner Zeit; Ernst Penzinger war in der Zwischenkriegszeit als Pianist und Komponist tätig. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-19
€ 140,-


Kokoschka, Oskar, Maler (1886-1980)

Kunstpostkarte mit Reproduktion seines 1953 entstandenen Aquarells "Rittersporn", darauf rückseitig eigenhändiger Neujahrsgruß "Very Happy New Year 1964 yours OK". - Beiliegend ein eigenhändiges Kuvert an seinen Verleger Dr. Ludwig Goldscheider in London, Poststempel London 5. 12. 1960, mit Namenszug "O. Kokoschka" und Kokoschkas Londoner Adresse.

Der österreichische Kunsthistoriker Dr. Ludwig Goldscheider (1896-1973) war Mitbegründer des Phaidon-Kunstverlags. 1938 nach London emigriert, führte er den Verlag dort weiter und veröffentlichte 1963 in Zusammenarbeit mit dem Künstler eine Monographie über Kokoschka, die mehrere Auflagen und Übersetzungen erlebte. Als "entarteter Künstler" war Kokoschka 1934 zunächst nach Prag und 1938 weiter nach England emigriert. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-31
€ 160,-


Langer, Anton (Pseud. Hansjörgel von Gumpoldskirchen), Schriftsteller (1824-1879)

Eigenhändiges Albumblatt mit Unterschrift, quer-gr-8, Wien, 13. 10. 1860. - "Wenn man seine Gedanken in Autografen und Stammbuch-Blättern los kriegt, so wär's kein Wunder, wenn man endlich gedankenlos würde. Der Geist ist keine Elektrisir-Maschine, die Funken sprüht, so oft man's will, - er muß kommen, wie ein lieber, aber unangemeldeter Gast. Anton Langer alias Hansjörgel von Gumpoldskirchen."

Der vielseitige Schriftsteller, Journalist und Übersetzer dichtete unter anderem Lieder für Volkssänger und verfasste etwa 100 Romane, Humoresken und Satiren, die im Wiener Milieu spielen. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-34
€ 175,-


Lechter, Melchior, Maler, Graphiker und Buchkünstler (1865-1937)

Eigenhändige Postkarte mit Spruch und Namenszug in Blockschrift, Adresse von fremder Hand, Poststempel Berlin 5. 7. 1928. - "Alles ist Schicksal! Melchior Lechter."

Lechter studierte an der Berliner Akademie, wurde von Fritz Gurlitt gefördert, schloss sich dem Kreis um Stefan George an und gestaltete für ihn etliche Bücher. Er war Mitglied der Theosophischen Gesellschaft Adyar und unternahm eine längere Reise nach Indien. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-36
€ 175,-


Lehár, Franz, Komponist (1870-1948)

Kärtchen im Visitkartenformat mit eigenhändiger Notenzeile und Unterschrift. Ein Takt aus "Juxheirat" mit unterlegtem Text "Immer Er und Sie". - Etwas fleckig. Beiliegend eine Fotoporträtpostkarte mit faksimilierter Signatur.

Lehárs dreiaktige Operette "Die Juxheirat" (Libretto: Julius Bauer) war sein viertes Bühnenstück. Sie erlebte ihre Aufführung am 22. Dezember 1904 am Theater an der Wien, wurde aber bald vom großen Erfolg der "Lustigen Witwe" (1905) überflügelt und konnte sich auch wegen des umstrittenen Textbuchs nicht längerfristig behaupten. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-39
€ 220,-


Liliencron, Detlev von, Schriftsteller (1844-1909)

Porträtfotographie im Kabinettformat mit eigenhändiger Widmung und Unterschrift auf der Rückseite, 24. 2. 1904. - "Mit herzlichem Gruß aus Alt-Rahlstedt bei Hamburg. Detlev Liliencron." - Ecken geringfügig berieben.

Aufnahme Hoffotograph E. Bieber, Hamburg. - Der Lebemann und chronisch verschuldete Spieler Liliencron zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Lyrikern des späten 19. Jahrhunderts. Seine letzten Jahre verbrachte er in Alt-Rahlstedt, wo ihm Freunde zu einer Wohnung verholfen hatten; zu seinem 60. Geburtstag wurde er hoch geehrt. - Fotos Liliencrons sind selten. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-40
€ 330,-


Malteserorden

Andrew Bertie, 78. Großmeister (von 1988 bis 2008), 1 Scudo und 2 Scudi 1988 in originalem Karton-Set, Feinsilber in Proof-Qualität (polierte Platte), Durchmesser 30 und 39 mm, Gewicht 12 und 24 g. - Der Schutzkarton etwas fleckig und abgegriffen.

Selten. - Nach dem Verlust seines Staatsgebiets unter Napoleon (1798) verlegte der Orden seinen Sitz von Malta nach Rom und prägte dort weiterhin Münzen mit nominellen Wertangaben, die allerdings keine Zahlungskraft mehr haben und daher als Medaillen anzusehen sind. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-42
€ 160,-


Maximilian (eigentlich Ferdinand Max[imilian]), Kaiser von Mexiko (1832-1867)

Aktenausschnitt von Schreiberhand mit eigenhändiger schwungvoller Unterschrift als Erzherzog aus seiner Zeit als Marinekommandant, Triest, 26. 1. 1855. - Das Aktenstück betrifft die Stellung des Schiffsoberarztes (Chirurgo maggiore). - Unregelmäßig beschnitten, Schrift leicht durchschlagend.

Der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph unterhielt schon früh gute Beziehungen zur Marine und reiste viel zu Schiff. 1854 zum Oberkommandant der k. k. Kriegsmarine ernannt, machte er sich um die Reorganisation dieser bisher vernachlässigten Waffengattung verdient. Unter seiner Ägide unternahm die Fregatte "Novara" 1857-1859 ihre berühmte Weltumsegelung. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-46
€ 185,-


Scott, Robert Falcon, Offizier und Polarforscher (1868-1912)

Eigenhändig beschriebene kleine Visitkarte (4 x 8 cm): "Captain R Scott / R[oyal] N[avy] / British Antarctic Expedition 1910 / 36 Victoria Street; London SW". - Leicht fleckig.

Nachdem bereits 1901-1904 die von Scott geleitete Discovery-Expedition einen Vorstoß zum Südpol unternommen und dabei das Polarplateau im nördlichen Viktorialand erreicht hatte, brach der Brite im Juni 1910 im Rahmen der Terra-Nova-Expedition nochmals in die Antarktis auf mit dem ehrgeizigen Ziel, als erster den Südpol zu erreichen, worin ihm der Norweger Amundsen allerdings fünf Wochen zuvorkam. Auf dem Rückweg starben Ross und seine vier Kameraden bei eisigen Temparaturen und zu Ende gegangenen Lebensmittelvorräten auf dem Ross-Schelfeis. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-67
€ 2750,-


Seidmann-Freud, Tom (Geburtsname Martha Gertrud Freud), Kinderbuchautorin und -illustratorin, Nichte von Sigmund Freund (1892-1930)

Maschinschriftlicher Brief mit eigenhändiger Unterschrift, 1 Seite, kl-4, Berlin-Charlottenburg, 22. 10. 1928. - An Walter Zadek. "Lieber Walter, ich schicke Ihnen anbei endlich das Intelligenzspiel. Ich hoffe, dass es Ihnen gefällt. Es wäre sicher noch hübscher geworden, wenn Sie mich nicht so in der Auswahl der einzelnen Zeichen beschränkt hätten. Die Dienstmarke habe ich auf besonderem Wunsch von Fräulein Goldberg aufgeklebt; ich finde sie nicht besonders gut und lege Ihnen deshalb noch das Eisenbahnerzeichen bei, da Sie eventuell an dieser Stelle reproduzieren lassen können. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir das Honorar bald anweisen könnten. Geben Sie Ihrem Herzen einen Stoß und lassen Sie es recht hoch sein ... P. S. Für die Unterschrift von Schacht habe ich nur das Feld angegeben, in das sie kommen soll und bitte Sie, die Reproduktion davon mach zu lassen." Links oben Vermerk "MK 75 bez. am 24. Okt. 1928" und Paraphe von fremder Hand. - Lochung und kleine Bugrisse hinterlegt.

Sehr selten. - Die in Wien in eine gutbürgerliche jüdische Familie geborene Martha Gertrud Freud nahm mit 15 Jahren den männlichen Vornamen Tom an und begann gelegentlich Männerkleidung zu tragen. Nach Berlin übersiedelt, heiratete sie 1920 den Schriftsteller Jakob Seidmann und gründete zusammen mit ihm den Peregrin-Verlag; das Ehepaar ging tragischerweise an den Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 zugrunde. Mit ihren bis heute nachgedruckten poetischen Bilderbüchern und Spielfibeln zum Schreiben- und Rechnenlernen leistete Seidmann-Freud einen außergewöhnlichen und nachhaltigen Beitrag zum Kinder- und Schulbuch im frühen 20. Jahrhundert. - Der Publizist Walter Zadek (1900-1992) war Redakteur beim legendären Berliner Tagblatt und Mitglied der Künstlerkolonie Berlin; 1933 inhaftiert, konnte er 1935 nach Palästina fliehen und arbeitete dort als Fotograph. - "Schacht": wohl der damalige Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht, dessen faksimilierte Unterschrift auf Geldscheinen zu finden war. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-68
€ 750,-


Vogeler, Heinrich, Maler und Graphiker (1872-1942)

Zwei eigenhändige Briefe mit Unterschrift (der zweite mit Zusatz "und die Leute vom Barkenhof"), jeweils 1 Seite, kl-4, W[orpswede] 26. 11. und 30. 12. 1920. - An Karl Jänichen. "... Ihr Brief hat mich erfreut, es sind wenige, die das was ich sagte so tief erfasste wie Sie. Wir kämpfen hier einen schweren Kampf in wirtschaftlicher Not und Bedrängnis von allen Seiten, von Seiten der 'Parteien' besonders. Wir werden nun um Ostern aus einer Bonner Versuchsschule (Scharrelmann) Kinder aufnehmen für den Sommer und müssen dann sehen was sich daraus entwickelt. Wir wissen genau was wir wollen, aber haben noch unendliche Arbeit an uns selber zu tun um uns für die Aufgabe zu festigen. Den Vortrag sende ich Ihnen im Januar gedruckt, versichert[?] heute nur das einliegende ..." (26. 11.) "... Das war für uns eine grosse Freude - die Noten, Ihre tiefen rhytmischen Worte, dann das schöne Gebäck. Wir haben jetzt endlich eine Lehrerin für die Kleinen gefunden und so beginnt langsam der Aufbau. Ich habe jetzt eine wunderbare Aufgabe, male und schnitze unser[e] Räume ..." (30. 12.) - Faltspuren.

Der vielseitig begabte Künstler Heinrich Vogeler wurde vor allem durch seine Arbeiten im Jugendstil bekannt. Nachdem er einen Bauernhof im niedersächsischen Worpswede erworben hatte, gestaltete er das Anwesen im Sinn eines Gesamtkunstwerks um begründete dort die Künstlerkolonie Barkenhoff (so die übliche Schreibweise). Er hatte die Niederlage im 1. Weltkrieg als moralischen Zusammenbruch empfunden, der eine neue Ethik und ethische Politik erforderte, und entwickelte auf der Grundlage von Marxismus, Christentum und völkischen Ideen eigene Vorstellungen von Erziehung und Lebensform, die er in seiner sozialistischen Kommune mit ihrer agrarisch-handwerklichen Bedarfswirtschaft zu verwirklichen suchte. 1931 wanderte er nach Moskau aus, wurde aber 1941 als Deutscher nach Kasachstan deportiert und ging dort zugrunde. - Heinrich Scharrelmann (1871-1940) war Schriftsteller und Schulreformer. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-81
€ 950,-


Walter, Bruno, Dirigent (1876-1962)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift an den Wiener Klavierfabrikanten Friedrich Ehrbar jun., 2 Seiten auf Doppelblatt, kl-8, Wien, 9. 11. 1912. - "Hochverehrter Herr Kaiserlicher Rat! Mit Ihnen haben wir ein besonderes Pech: Mein Kollege Reichenberger ist erkrankt und ich habe für ihn die morgige Vorstellung von Margarethe zu dirigieren, was uns also nöticht auf das Vergnügen Ihren morgigen musikalischen rout zu besuchen, zu verzichten. Mit dem Ausdruck des aufrichtigen Bedauerns sendet Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin, auch im Namen seiner Frau die verbindlichsten Grüße Ihr wahrhaft ergebener Bruno Walter".

Der als Bruno Walter Schlesinger in Berlin geborene Dirigent war Schüler von Gustav Mahler und folgte ihm 1901 als Kapellmeister an die Wiener Hofoper. Friedrich Ehrbar (1873-1921) führte nicht nur die von seinem gleichnamigen Vater begründete Klavierproduktion weiter, er war auch von 1900 bis zu seinem Tod Präsident der Wiener Singakademie. Der Dirigent und Komponist Hugo Reichenberger (1873-1938) war von 1908 bis 1935 an der Wiener Oper tätig. Gounods "Faust" (so der eigentliche Name der Oper) wurde in Wien erstmals 1862 aufgeführt, zunächst aber nicht sonderlich geschätzt; Gustav Mahler weigerte sich sogar, das Werk aufzuführen - er fand es zu sentimental ("gezuckerter Goethe"). Erst 1906 brachte Felix Weingartner "Margarethe" erfolgreich neu heraus, mit der großen Wagner-Sängerin Anna Bahr-Mildenburg in der Titelrolle. "rout": veralteter Ausdruck für Abendgesellschaft. Weiterlesen

Bestellnummer 2603-82
€ 300,-