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Album Amicorum

"Der Freundschaft und Liebe geweiht" (Deckeltitel). Biedermeier-Stammbuch (Rückentitel: "Denkbuch"), angelegt 1829 von einer jungen Frau aus bürgerlichem Milieu im heutigen ungarisch-österreichischen Grenzgebiet, mit über 50 Eintragungen in meist gut lesbarer deutscher Schreibschrift, 5 Zeichnungen (davon 2 farbig), einem Scherenschnitt sowie etlichen unbeschriebenen Seiten. Quer-kl-8; dekorativer zeitgenössischer roter Leinenband mit reicher Deckel-, Rücken- und Kantenvergoldung sowie Goldschnitt (etwas berieben, vorderes Innengelenk geplatzt); stellenweise leicht bis stärker stockfleckig, insgesamt gut erhalten.

Die Eintragungen der Jahre 1829 bis 1831 stammen größtenteils aus Ungarisch-Altenburg (Mosonmagyaróvár), einzelne auch aus Zanneg (Mosonszolnok) und Eisenstadt, danach folgen bis 1844 kontinuierlich Eintragungen zumeist aus dem nördlichen Niederösterreich (Buchberg am Kamp, Gars, Göllersdorf, Krems, Lengenfeld, Prandlhof, Senftenberg, Weißenkirchen); ein einzelner Nachtrag stammt von 1859. Neben konventionellen Freundschaftsgedichten und Prosabeiträgen findet sich in dem Stammbuch auch ein vierzehnzeiliges Gedicht mit dem Titel "Die Ruinen bei Gars". Continue reading

Order no. 2603-1
€ 360,-


Apor, Vilmos, Bischof von Györ, Seliger der katholischen Kirche (1892-1945)

Maschinschriftliche Briefkarte mit eigenhändiger Unterschrift und zwei kleinen handschriftlichen Korrekturen, Györ (Bischofssitz), 5. 2. 1944. - An seinen Bruder Gábor mit der Bitte um Nachforschungen über einen Bekannten. "Édes Gábor! Remélem megkaptad mult héten küldött levelemet. Felhasználom az induló futárt, hogy ujból hirt adjak mangunkról. Hála Istennek egészségesek vagyunk. Erdeklödéssel és szorongó szivvel lessük az ottani hireket. / Amennyiben levelest tudsz küldeni, légy szives tudatni van-e valami hir ZICHY LÁSZLÓ-ról Zichy Ödön testvéréröl, akinek lakcime: Salo. Brescia. Lago di Garda Via del Lupo 604. Az itteni rokonai már nyolc hónapja nem kaptak semmi hirt róla. Egyben megkértem Rubido Ivánt is, hogy szerezzen hirt róla, de a rokonság gondolja, hogy talán tudsz valamit róluk. / Itt annyira enyhe tél van, hogy félni kell attól, hogy megindul a növényzet virágzása s azután mégis elpusztitja a fagy. / Sokat gondol rád, édes Gabór és szivböl ölel szeretö öcséd Vilmos". (Lieber Gábor! Ich hoffe, du hast meinen Brief von letzter Woche erhalten. Ich nutze den ersten Boten, um dir erneut Nachrichten von uns zu überbringen. Gott sei Dank sind wir alle gesund. Mit Interesse und bangendem Herzen verfolgen wir die Nachrichten von dort. / Wenn du einen Brief schicken kannst, lass mich bitte wissen, ob es Neuigkeiten über ZICHY LÁSZLÓ gibt, den Bruder von Zichy Ödön, dessen Adresse lautet: Salo. Brescia. Lago di Garda Via del Lupo 604. Seine Verwandten hier haben seit acht Monaten nichts mehr von ihm gehört. Ich habe auch Rubido Iván gebeten, etwas über ihn herauszufinden, aber die Verwandten denken, dass du vielleicht etwas über ihn weißt. / Der Winter ist hier so mild, dass zu befürchten ist, dass die Pflanzen zu blühen beginnen und dann doch vom Frost zerstört werden. / Ich denke oft an dich, lieber Gabór, und umarme dich von ganzem Herzen, dein dich liebender Bruder Vilmos". - Fleckig, ein Papierrand stark gebräunt und knittrig.

Sehr selten. - Bischof Vilmos Baron Apor von Altorja kämpfte während der Zeit des Horthy-Regimes gegen die Verfolgung und Deportation der ungarischen Juden; zu Kriegsende wurde sein Bischofssitz eine Zufluchtsstätte für Flüchtlinge. Als er dort Frauen und Mädchen vor Verschleppung und Vergewaltigung durch eindringende Soldaten der Roten Armee zu schützen suchte, wurde er niedergeschossen und verstarb wenige Tage später. 1997 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen, mehrere ungarische Städten haben ihn mit Denkmälern geehrt. - Iván Rubido-Zichy war Chef der Prokollabteilung im ungarischen Außenministerium. Continue reading

Order no. 2603-3
€ 240,-


Buber, Martin, Religionsphilosoph (1878-1965)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, kl-8, Jerusalem, 15. 10. 1941. - An den Rechtsanwalt, Übersetzer und Redakteur Max Strauss (1887-1956). "Lieber Dr. Strauss - Diesen Brief erhalten Sie durch Herrn Rudolf Kommer, der bei der Unterbringung des Romans freundlichst behilflich sein will. Geben Sie ihm dazu die Möglichkeit und machen Sie ihm den nicht anderweitig gebundenen Teil des Manuskripts zugänglich. Bestens Grüßend Ihr Buber". - Auf liniertem Papier, Faltspur.

Betrifft den 1938-1940 entstandenen Roman "Muckensturm" von Bubers Ehefrau Paula (1877-1958), der die Anfänge des Nationalsozialismus in einer deutschen Kleinstadt behandelt - gemeint ist damit Heppenheim, wo die Familie Buber von 1916 bis 1938 lebte. Nach der Verwüstung ihres Hauses durch die Nationalsozialisten emigrierten die Bubers nach Jerusalem. Aufgrund der Schwierigkeit, einen Verlag für das Buch zu finden, erschien es erst 1953, und zwar unter dem Pseudonym Georg Munk. - Max Strauss war ursprünglich in Berlin tätig, bevor er in die USA emigrierte. Der Journalist Rudolf K. Kommer (1886-1943) wirkte als Theateragent und Kulturvermittler zwischen Europa und Amerika; er lebte seit 1933 ebenfalls in den USA, wo er selbstlos Exilanten aus der Kulturszene unterstützte. Continue reading

Order no. 2603-6
€ 300,-


Delibes, Léo, Komponist (1836-1891)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 3 Seiten, kl-8, ohne Ort, 13. 1. [1882]. - An eine Sängerin. "Chère Madame et amie, vous devez savoir déjà par Heugel que notre Jean de Nivelle est remis à l'automne prochain. Je suis retenu chez moi par une forte bronchite que j'ai prise au concert de l'Hippodrome, et dès que je serai mieux, je viendrai causer avec vous. / Mais je ne veux pas prendre une minute pour vous informer d'une chose qui touche à vos intérêts et qui peut changer vos projets d'avenir; en même temps laissez moi vous dire que dans quelques conditions que soit representé mon ouvrage, je tiens pardessus tout à ce que le rôle de Simone soit crée par vous! / Veuillez croire, chère Madame, à toute ma sympathique admiration / Léo Delibes". - Mit zwei vom Schreiber überarbeiteten Tintenspritzern.

Der französische Opern- und Ballettkomponist Léo Delibes zählte zu den beliebtesten Bühnenkomponisten der Romantik ("Sylvie", "Lakmé") und wirkte auf Komponisten wie Tschaikowsky, Saint-Saëns und Debussy. Jacques-Léopold Heugel gründete 1839 den Musikverlag Éditions Heugel, der von seinem Sohn Henri noch bedeutend erweitert wurde und bis 2014 bestand. Delibes dreiaktige Oper "Jean de Nivelle" wurde am 6. März 1880 in der Pariser Opéra-Comique uraufgeführt und hielt sich danach in etlichen Opernhäusern für einige Zeit auf dem Spielplan. Das Pariser Hippodrome war ein 1845 eröffnetes großes Freiluft-Etablissement, das mehrmals seinen Standort wechselte; von 1877 bis 1892 befand es sich bei der Seinebrücke Pont de l’Alma. Continue reading

Order no. 2603-9
€ 275,-


Denkmalschutz

"Verfahren bei Auffindung alter Münzen, Denkmähler und Alterthümer." Verordnung des Brünner Kreisamts vom 10. 9. 1828 (gezeichnet Kreiskommissär Rudolph Eitlberger) mit Wiederabdruck des Circulars des mährisch-schlesischen Landesguberniums vom 3. 4. 1812, (4) pp, in-folio. - Geringfügig knittrig und fleckig, alter Registraturvermerk.

Die im Auftrag von Kaiser Franz I. verlautbarte Verordnung erinnert an die 1812 erlassene Anzeige- und Ablieferungspflicht für archäologische Funde. Schwer transportable Monumente sollen an eine Außenmauer der nächstgegelegenen Kirche eingemauert werden, für eingesandte Objekte wird eine finanzielle Vergütung in Aussicht gestellt. Continue reading

Order no. 2603-10
€ 85,-


Doderer, Heimito von, Schriftsteller (1896-1966)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, quer-8, Wien, 10. 7. 1958. - An Frau D. Dick vom Sekretariat der Internationalen Ferienkurse in Salzburg über einen geplanten Vortrag. "Werte gnädige Frau, die Zugsverbindungen überblicke ich jetzt. Ich kann abends von Venedig am 22. Juli abreisen und am 23. (Mittwoch) 1/2 9h morgens in Salzburg sein (fahrplanmäß. 8h27 an). Bitte sorgen Sie nur dafür dafür, dass ein Doppelbettzimmer im 'Schwarzen Rössel' schon morgens bei Ankunft bereit für mich ist, damit ich mich ausruhen kann. Im Hotel bitte Nachricht für mich über Ort und genaue Zeit des Vortrags, sowie Fahrzeit im Taxi dahin. Ganz ergebenst Ihr Heimito v. Doderer". Oberhalb des Brieftextes ist die Adresse Doderers vom 11.-16. Juli in Rimini angegeben. Mit eigenhändigem Briefkuvert. - Wie meist bei Doderer in mehreren Tintenfarben geschrieben; leichter Abklatsch der Unterschrift auf der gegenüberliegenden Seite der Faltspur, Brief und Kuvert etwas knittrig.

Doderer stand 1958 auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Er begann in diesem Jahr mit seinem auf vier Teile angelegten "Roman No. 7", von dem zu seinen Lebzeiten allerdings nur der erste Teil ("Die Wasserälle von Slunj") erschien. Continue reading

Order no. 2603-12
€ 450,-


Franz Joseph, Kaiser von Österreich (1830-1916)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 6 Seiten auf 2 Doppelblättern, in-8, Wien, 11. 1. 1888. - An die Schauspielerin Katharina von Schratt (1853-1940), der der Kaiser nahezu drei Jahrzehnte lang in enger Freundschaft verbunden war. "Meine gnädige Frau! Hoffentlich belästigt und langweilt es Sie nicht zu sehr, wenn ich Ihnen schon wieder schreibe, allein es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen zu zeigen, daß ich an Sie denke und Ihnen ein bischen vorzuplauschen. Heute sind es bereits 14 Tage daß ich Sie nicht gesprochen habe und Sonntag wird es eben so lang sein, daß ich Sie auch von Weitem nicht gesehen habe. Das ist eine lange Zeit, die mir eine Ewigkeit scheint. Ihr vorgestriges Telegramm an Frau von Ferenczy hat mich sehr gefreut durch die guten Nachrichten über Tonis fortschreitende Besserung und durch die Mittheilung, daß Sie wohl sind, denn ich war in beständiger Beängstigung, Sie könnten doch am Ende Tonis Ausschlag erben. Vielleicht hat sich Wiederhofer auch in der Entdeckung geirrt, daß Toni den Keuchhusten hat und so hoffe ich, daß er bald vollkommen hergestellt sein wird. Wiederhofer war mit seiner kräftigen körperlichen Entwicklung sehr zufrieden. Hoffentlich macht sein Abschuppungsprozeß solche Fortschritte, daß Sie bald in der Lage sein werden, Wiederhofer, wie er es mit Ihnen verabredet hat, kommen zu lassen, damit er entscheide, wann die lange Trennung endlich eine Ende nehmen kann. Er ließ mich hoffen, daß es ziemlich bald sein könnte, was mich natürlich unendlich glücklich machen würde. Wegen Valérie muß ich die strengen ärztlichen Vorschriften einhalten, denn ich persönlich würde mich nicht abhalten lassen, mit Ihnen zusammen zu kommen, um so mehr, als ich mich vor der Ansteckung gar nicht fürchte. Eine große Enttäuschung war es für mich, Sie in Stahl und Stein und in den galanten Königen nicht sehen zu können, doch war ich sehr froh, daß Sie nicht spielten, als ich durch Wiederhofer erfuhr, daß Sie unwohl waren und sogar zu Bett lagen. Wie leicht hätten Sie sich im Opernhause, das in Folge der elektrischen Beleuchtung fürchterlich kalt sein soll, ganz verderben können ...". (Berichtet von den Aufführungen der genannten Stücke im Wiener Burgtheater.) ... Unsere theure Freundin Hohenfels spielte, wie gewöhnlich, vortrefflich, sah jugendlicher und hübscher aus wie sonst und sang eine Romanze ganz entsetzlich. Die Stücke sind beim Fürsten Hohenlohe in Ungnade gefallen und scheinen vom Repertoire abgesetzt zu werden, was nach meiner Ansicht eine zu strenge Behandlung ist. Neulich war ich auch in 'Unsere Freunde', welches Stück ich schon so lange nicht gesehen hatte, daß ich mich an dasselbe gar nicht mehr erinnerte. Die Vorstellung war eine 'schlampete' und ich war eigentlich wegen den Nimbus in dieselbe gegangen. Sonst war ich gar nicht im Theater, denn wie Sie wohl denken können, übt das jetzige Repertoire keine Anziehungskraft auf mich aus. Hoffentlich wird das bald anders werden! In Schönbrunn war ich seit unserer letzten Promenade gar nicht mehr, doch will ich nächstens wieder einmal hinausfahren, um frische Luft zu schöpfen. Nun habe ich Ihnen nichts mehr zu erzählen und so schliesse ich dann mein Geschwätz mit dem innigsten Wunsche eines baldigen frohen Wiedersehens und mit der Versicherung teurer Freundschaft. Ihr aufrichtig ergebener Franz Joseph." Mit eigenhändigem Kuvert "Frau Katharina v. Kiss-Schratt" mit rotem Siegel (dieses durchschlagend). - Vollständige Transkription beiliegend.

Gekürzt gedruckt bei Bourgoing 69 f. und Hamann 70 f. - Zu den erwähnten Personen und Stücken: Ida von Ferenczy (1839-1928), Hofdame von Kaiserin Elisabeth; Toni: Baron Anton Kiss de Ittebe (1880-1970), Sohn der Schaupielerin aus ihrer seit 1880 nicht mehr aufrechten Ehe; Hermann Widerhofer (1832-1901), Leibarzt des Kaisers, später in den Freiherrnstand erhoben; Valérie (1868-1924), die jüngste Tochter des Kaisers; "Galante Könige": mehrteiliger Lustspielabend des Juristen und Schriftstellers Emil Granichstädten (1847-1904); Stella von Hohenfels (1857-1920), Burgschauspielerin; Konstantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1828-1896), Obersthofmeister und als solcher für die Hoftheater verantwortlich. Einzelne weitere Kommentare bei Bourgoing und Hamann. Continue reading

Order no. 2603-14
€ 4500,-


Gütersloh, Albert Paris, Maler und Schriftsteller (1887-1973)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 Seite, quer-8, Wien (Briefkopf der Akademie der Bildenden Künste), 2. 12. (wohl um 1950). - An Emma Maria Thoma, die spätere Frau des Schriftstellers Heimito von Doderer. "Sehr verehrte gnädige Frau / Von Freund Heimito höre ich, daß es Ihnen wohl geht, was mich herzlichst freut. Und weil Sie Obgenannten bald bei sich haben, so benütze ich diese für sie beide so schöne Gelegenheit, mit diesen Zeilen im Geiste bei Ihnen zu sein. Ich wünsche Ihnen Alles, was Sie sich wünschen und überdies noch recht schöne Feiertage! Ich bin mit den besten Grüßen Ihr Ihnen wie stets ergebener Gütersloh". - Beiliegend ein maschinschriftliches Schreiben des Kunsthistorikers Heribert R. Hutter (1926-2012) an den emigrierten Juristen und Gütersloh-Sammler Robert C. Baru in den USA betreffend ein in Arbeit befindliches Buch über Gütersloh, Wien, 21. 7. 1976 (das Werk erschien im folgenden Jahr).

Der aus Baden bei Wien stammende Albert Paris Gütersloh (eigentlich Albert Conrad Kiehtreiber) trat ab etwa 1910 als bildender Künstler sowie als expressionistischer Schriftsteller an die Öffentlichkeit. 1926 erschien sein autobiographisches Werk "Bekenntnisse eines modernen Malers". Sein Freund Doderer veröffentlichte 1930 über ihn den Essay "Der Fall Gütersloh: Ein Schicksal und seine Deutung" und beherbergte ihn von 1938 bis 1948 als Untermieter in seiner Wiener Atelierwohnung, die er von der nach dem Anschluss emigrierten Malerin Trude Waehner übernommen hatte. Die aus Bayern stammende Emma Maria Thoma lernte Doderer 1937 kennen und heiratete sie 1952. Gütersloh selbst leitete von 1945 bis 1962 eine Meisterschule für Malerei an der Wiener Akademie der bildenden Künste und richtete hier eine Fresko- und Gobelinschule ein. Continue reading

Order no. 2603-17
€ 260,-


Hanslick, Eduard, Musikkritiker (1825-1904)

Gedruckte Visitenkarte mit eigenhändigem Zusatz, 27. 1. 1900. - "Herrn Prof. Dr. Gänsbacher / "... erlaubt sich den Prüfungskandidaten Herrn Ernst Penzinger bestens zu empfehlen!" - Leicht fleckig.

Der in Prag geborene Hanslick wurde zunächst Jurist, wandte sich aber nach der Revolution von 1848 ganz der Musikästhetik zu. Er erhielt in Wien einen Lehrstuhl für Geschichte der Musik und wurde hier zu einem einflussreichen Kritiker des zeitgenössischen Musiklebens. Der Musikpädagoge Josef Gänsbacher (1829-1911) zählte zu den angesehensten Stimmbildnern seiner Zeit; Ernst Penzinger war in der Zwischenkriegszeit als Pianist und Komponist tätig. Continue reading

Order no. 2603-19
€ 140,-


Hausner, Rudolf, Maler (1914-1995)

Fotoporträt-Postkarte (Aufnahme Walter Reiser, Stuttgart) mit eigenhändigem Namenszug auf der Bildseite, Wien, 21. 9. 1965. Eine Ecke mit kleiner Knickspur, rückseitig Montagereste. - Beiliegend eine farbige Kunstpostkarte von Wolfgang Hutter (1928-2014) mit Wiedergabe seines Werks "Das grüne Bild", am oberen Rand eigenhändig signiert.

Rudolf Hausner und Wolfgang Hutter gehören mit Arik Brauer, Ernst Fuchs und Anton Lehmden zur Kerngruppe der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, die ab den späten 1950er-Jahren auch international Beachtung fand. Continue reading

Order no. 2603-20
€ 120,-


Kokoschka, Oskar, Maler (1886-1980)

Kunstpostkarte mit Reproduktion seines 1953 entstandenen Aquarells "Rittersporn", darauf rückseitig eigenhändiger Neujahrsgruß "Very Happy New Year 1964 yours OK". - Beiliegend ein eigenhändiges Kuvert an seinen Verleger Dr. Ludwig Goldscheider in London, Poststempel London 5. 12. 1960, mit Namenszug "O. Kokoschka" und Kokoschkas Londoner Adresse.

Der österreichische Kunsthistoriker Dr. Ludwig Goldscheider (1896-1973) war Mitbegründer des Phaidon-Kunstverlags. 1938 nach London emigriert, führte er den Verlag dort weiter und veröffentlichte 1963 in Zusammenarbeit mit dem Künstler eine Monographie über Kokoschka, die mehrere Auflagen und Übersetzungen erlebte. Als "entarteter Künstler" war Kokoschka 1934 zunächst nach Prag und 1938 weiter nach England emigriert. Continue reading

Order no. 2603-31
€ 160,-


Langer, Anton (Pseud. Hansjörgel von Gumpoldskirchen), Schriftsteller (1824-1879)

Eigenhändiges Albumblatt mit Unterschrift, quer-gr-8, Wien, 13. 10. 1860. - "Wenn man seine Gedanken in Autografen und Stammbuch-Blättern los kriegt, so wär's kein Wunder, wenn man endlich gedankenlos würde. Der Geist ist keine Elektrisir-Maschine, die Funken sprüht, so oft man's will, - er muß kommen, wie ein lieber, aber unangemeldeter Gast. Anton Langer alias Hansjörgel von Gumpoldskirchen."

Der vielseitige Schriftsteller, Journalist und Übersetzer dichtete unter anderem Lieder für Volkssänger und verfasste etwa 100 Romane, Humoresken und Satiren, die im Wiener Milieu spielen. Continue reading

Order no. 2603-34
€ 175,-


Lechter, Melchior, Maler, Graphiker und Buchkünstler (1865-1937)

Eigenhändige Postkarte mit Spruch und Namenszug in Blockschrift, Adresse von fremder Hand, Poststempel Berlin 5. 7. 1928. - "Alles ist Schicksal! Melchior Lechter."

Lechter studierte an der Berliner Akademie, wurde von Fritz Gurlitt gefördert, schloss sich dem Kreis um Stefan George an und gestaltete für ihn etliche Bücher. Er war Mitglied der Theosophischen Gesellschaft Adyar und unternahm eine längere Reise nach Indien. Continue reading

Order no. 2603-36
€ 175,-


Lehár, Franz, Komponist (1870-1948)

Kärtchen im Visitkartenformat mit eigenhändiger Notenzeile und Unterschrift. Ein Takt aus "Juxheirat" mit unterlegtem Text "Immer Er und Sie". - Etwas fleckig. Beiliegend eine Fotoporträtpostkarte mit faksimilierter Signatur.

Lehárs dreiaktige Operette "Die Juxheirat" (Libretto: Julius Bauer) war sein viertes Bühnenstück. Sie erlebte ihre Aufführung am 22. Dezember 1904 am Theater an der Wien, wurde aber bald vom großen Erfolg der "Lustigen Witwe" (1905) überflügelt und konnte sich auch wegen des umstrittenen Textbuchs nicht längerfristig behaupten. Continue reading

Order no. 2603-39
€ 220,-


Liliencron, Detlev von, Schriftsteller (1844-1909)

Porträtfotographie im Kabinettformat mit eigenhändiger Widmung und Unterschrift auf der Rückseite, 24. 2. 1904. - "Mit herzlichem Gruß aus Alt-Rahlstedt bei Hamburg. Detlev Liliencron." - Ecken geringfügig berieben.

Aufnahme Hoffotograph E. Bieber, Hamburg. - Der Lebemann und chronisch verschuldete Spieler Liliencron zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Lyrikern des späten 19. Jahrhunderts. Seine letzten Jahre verbrachte er in Alt-Rahlstedt, wo ihm Freunde zu einer Wohnung verholfen hatten; zu seinem 60. Geburtstag wurde er hoch geehrt. - Fotos Liliencrons sind selten. Continue reading

Order no. 2603-40
€ 330,-


Malteserorden

Andrew Bertie, 78. Großmeister (von 1988 bis 2008), 1 Scudo und 2 Scudi 1988 in originalem Karton-Set, Feinsilber in Proof-Qualität (polierte Platte), Durchmesser 30 und 39 mm, Gewicht 12 und 24 g. - Der Schutzkarton etwas fleckig und abgegriffen.

Selten. - Nach dem Verlust seines Staatsgebiets unter Napoleon (1798) verlegte der Orden seinen Sitz von Malta nach Rom und prägte dort weiterhin Münzen mit nominellen Wertangaben, die allerdings keine Zahlungskraft mehr haben und daher als Medaillen anzusehen sind. Continue reading

Order no. 2603-42
€ 160,-


Martius, Carl Friedrich Philipp von, Naturforscher und Ethnograph (1794-1868)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Geh[eimer] Rath Dr. v. Martius", 1 1/2 Seiten, kl-4, München, 3. 2. 1868. - Als Sekretär der math.-phys. Klasse der Kgl. Bayerischen Akademie der Wissenschaften an das Großherzogl. Naturalienkabinett in Darmstadt. "Hochgeehrtester Herr! Mit Gegenwärtigem beehre ich mich, Ihnen den richtigen Eingang der Moa-Photographien zu melden, welche unser treffl. Haast mir schon angekündigt hatte. Ich danke im Namen der Akademie, welcher ich die Zeichnungen in der nächsten Sitzung vorlegen werde. Im Vertrauen auf Ihre literarische Güte erlaube ich mir auch, Ihnen ein Päckchen aus dem Herb[arium] ducale Darmst. zugehn zu lassen, welches mir, respective dem Bearbeiter der Gentian. u. Loganiae, wenn ich nicht irre, noch von dem sel. Schnittspahn zur Benützung anvertraut war. Da ich den gegenwärtigen Conservator Ihres G[roß]H[erzog]l[ichen] Herbarii nicht einmal im Namen kenne, so darf ich es wohl wagen, hochdieselben unter meiner besten Danksagung an das Conservatorium, um gütige Übergabe u. Bescheinigung des Rückempfanges zu bitten. / Es gereicht mir zu ganz besonderem Vergnügen, hier Gelegenheit zu haben, Ihnen, einem Naturforscher, dessen große Verdienste ich dankbarst verehre diese Gesinnungen aussprechen und die Versicherung meiner reinsten Ergebenheit darbringen zu können ...". Mit dekorativem Briefkopf der Akademie der Wissenschaften. - Schrift leicht durchschlagend, linke untere Ecke ergänzt.

Martius nahm im Auftrag des bayerischen Königs Maximilian I. an der österreichischen Brasilien-Expedition von 1817 bis 1821 teil und widmete sich dabei vor allem der Erforschung der Flora Brasiliens sowie der indigenen Kulturen. Er wurde zum Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt, erhielt er eine Professur an der Universität München und wurde Direktor des Münchner Botanischen Gartens. Sein vorliegender Brief ist vermutlich an den bedeutenden Paläontologen und Zoologen Johann Jakob Kaup (1803-1873) gerichtet, der seit 1825 am Darmstädter Naturalienkabinett arbeitete und hier Illustrationen der von ihm beschriebenen Arten von dem Tiermaler Joseph Wolf anfertigen ließ. Der schon vor Jahrhunderten ausgerottete flugunfähige neuseeländische Moa-Riesenvogel wurde ab etwa 1840 anhand von Knochenfunden rekonstruiert. Der aus Bonn stammende Julius von Haast (1822-1887) lebte seit 1858 auf Neuseeland und wurde zum ersten wissenschaftlichen Erforscher der Insel. Georg Friedrich Schnittspahn (1810-1865) leitete den Botanischen Garten in Darmstadt. Continue reading

Order no. 2603-44
€ 450,-


Maximilian (eigentlich Ferdinand Max[imilian]), Kaiser von Mexiko (1832-1867)

Aktenausschnitt von Schreiberhand mit eigenhändiger schwungvoller Unterschrift als Erzherzog aus seiner Zeit als Marinekommandant, Triest, 26. 1. 1855. - Das Aktenstück betrifft die Stellung des Schiffsoberarztes (Chirurgo maggiore). - Unregelmäßig beschnitten, Schrift leicht durchschlagend.

Der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph unterhielt schon früh gute Beziehungen zur Marine und reiste viel zu Schiff. 1854 zum Oberkommandant der k. k. Kriegsmarine ernannt, machte er sich um die Reorganisation dieser bisher vernachlässigten Waffengattung verdient. Unter seiner Ägide unternahm die Fregatte "Novara" 1857-1859 ihre berühmte Weltumsegelung. Continue reading

Order no. 2603-46
€ 185,-


Radetzky, Josef Wenzel (Graf), Feldmarschall (1766-1858)

Kanzleibrief mit eigenhändiger Unterschrift ("RadetzkyFm"), kl-4, Verona, 28. 9. 1837. - An Feldmarschall-Leutnant Graf Künigl. "Ich gebe mir die Ehre, Euer Excellenz hier anliegend die Dispositionen zu übersenden, welche für die, in einigen Tagen, hierlandes statt findenden Manoeuvres so eben hinausgegeben wurden ...". Ohne die erwähnten Beilagen. - Faltspuren.

Radetzky wurde 1831 Generalkommandant der Kaiserlich-Königlichen Armee im Königreich Lombardo-Venetien und erhielt 1836 den Rang eines Feldmarschalls. Seine große spätere Popularität erwarb er sich vor allem durch die militärischen Erfolge gegen die Aufständischen in Italien (1848/1849). Continue reading

Order no. 2603-53
€ 260,-


Reichenbach, Karl (Frh.) von, Naturforscher und Philosoph (1788-1869)

Eigenhändiger Brief mit Adressblatt und Unterschrift, 2 1/2 Seiten auf Doppelblatt, quer-8, Blansko (Mähren), 21. 2. 1839. - An Josef Scheiger in Zara (Kroatien), dem er Muster von Pflanzensamen übersendet. "Wohlgeborner Hochgeehrter Herr! Ihr launiger Brief vom 2. d[ie]ß. kommt vielleicht aus einem schlimmen Lande, ich will es nicht bestreiten, aber dafür muß wenigstens kein übler Himmel dort seyn. Hier ist er heute voll Nebel, man sieht den ganzen Tag nicht 50. Schritte weit: aber auch auf Ihrem Boden liegen gewiß heute nicht 10. Zoll hoher Schnee, wie in Blansko, das sich zu den nicht übeln mährischen Gegenden zählt. Seyen Sie also zufrieden mit Ihrer epirotischen Sonne; könnte ich mit Ihnen tauschen, wie gerne gäbe ich Ihnen unsere Birken und Astern um Ihre Orangen und Myrthen! / Da Sie meine Wünsche nicht unmittelbar erfüllen können, so sind Sie mir dafür mit thätigem Rathe zur Hand gegangen, was mich Ihnen um nichts weniger verpflichtet. Ich behalte mir vor, davon später ernstlichen Gebrauch zu machen. Für heuer will ich es indessen noch bewendten lassen, und den Anpflanzungs und Benützungs Versuch hier zuvor noch abwarten. Für die Saamenzucht könnte vielleicht in Zara auch erst ein kleiner Versuch mit einigen Körnern gemacht werden, um zu sehen, ob er denn auch wirklich dort reift und ob das Klima und die Länge des Sommers dazu hinreicht. Diß würde wenige Mühe kosten, und im ersten besten Blumenbeet geschehen können. In dieser Absicht bin ich denn so frey, Ihnen anliegend eine kleine Prise Saamen beyzuschließen, mit der Bitte sie irgend einem oder zweyen von Ihren Freunden zur Anpflanzung im Freyen zu geben. Deren zwey werden besser seyn, als Einer, weil sie bey Einem allein möglicher Weise leichter einem Unfalle ausgesetzt sind. Die Pflanze wird nicht größer, als ein Buchweizen oder Heidekornstengel, nehmlich 1. bis 2. Fuß hoch, und schlank. In Zara wird man sie wohl jetzt gleich anpflanzen müssen; von Nachtfrösten wird man wohl niemals bey Ihnen etwas wissen, die uns in unserem Tannzapfenland im May und selbst im Juni noch so verderblich werden. Sollte der Saamen wirklich in Zara reifen, und wir die Überzeugung gewinnen, daß es damit gut gehen kann; so würde ich dann im folgenden Jahre mich an die Herrn wenden, welche Sie mir zu empfehlen die Gefälligkeit hatten. / Möge der Himmel Ihnen Geduld mit den Plagen schenken, die von mir aus über Sie kommen! - ich verharre mit größter Hochachtung Euer Wohlgeboren Gehorsamer Diener Dr. Reichenbach (mittlerweile zum Freyherrn g[eworden(?)] / Aus einer indirekten Äußerung in Ihrem Briefe muß ich fast schließen, daß ich unachtsam genug gewesen seyn könnte, meine letzte Zuschrift Ihnen nicht zu frankiren. Sollte diß wider Vermuthen möglich seyn, so muß ich sehr bitten, mir diß, bey meinen zahlreichen ... und tausend beständigen Unruhn als ein Zerstreuungsübersehen nachsichtig zu verzeihen, obgleich ich es mir selbst und meiner Unachtsamkeit nicht verzeihen könnte." Mehrere Empfängervermerke, die Anschrift durchgestrichen. - Gebräunt (die erste Seite stärker), das zweite Blatt mit kleinem Ausriss durch Siegelöffnung und hinterlegtem Ausschnitt bei der Adresse (Textverluste). - Beiliegend eine rückseitig von alter Hand mit "Dr. Reichenbach" beschriftete Fotographie des Ateliers Johann Wichera um 1870 im Format carte-de-visit, die einen jüngeren Wissenschaftler bei chemischen Versuchen zeigt.

Der aus einer bürgerlichen Württemberger Familie stammende vielseitige Forscher und Unternehmer Karl Ludwig Friedrich Reichenbach beschäftigte sich zunächst als Chemiker und Techniker erfolgreich mit dem Eisenhüttenwesen sowie mit der Verkohlung von Holz und entdeckte dabei unter anderem das Kreosot und Paraffin; in Blansko errichtete Reichenbach gemeinsam mit Graf Hugo zu Salm eine Reihe von Eisenwerken. 1835 erwarb er das Gut Reisenberg am Cobenzl bei Wien und verkehrte nun viel in den wissenschaftlichen Kreisen der Stadt. Sein Ruf als Naturforscher litt allerdings bald unter seiner obskuren Lehre vom "Od", einer angeblich dem Magnetismus ähnlichen, physikalisch jedoch nicht nachweisbaren Kraft. - Der Briefempfänger Josef Scheiger (1801-1886, hier "v[on] Scheiger", obwohl erst 1872 nobilitiert) war ein österreichischer Beamter und verdienstvoller Kulturhistoriker, der von 1835 bis 1839 den Postbetrieb in Zara leitete und seine Beamtenlaufbahn als Postdirektor von Graz beendete. Continue reading

Order no. 2603-54
€ 480,-


Scherzer, Karl Ritter von, Forschungsreisender und Diplomat (1821-1903)

Gedruckte Visitenkarte als österreichischer Generalkonsul in Leipzig mit eigenhändigen 6 Zeilen (in 3. Person) und Unterschrift, Leipzig, 27. 10. 1879. "... bedauert daß ein katarrhalisches Leiden ihm nicht gestattet der nächsten Eröffnungssitzung der Geographischen Gesellschaft beizuwohnen dessen wirkl. Mitglied zu sein, eben die Ehre zu haben hofft ... Scherzer".

Scherzer, ein liberater Anhänger der Revolution von 1848, unternahm von 1852 bis 1855 zusammen mit dem deutschen Reisenden und Geographen Moritz Wagner eine Forschungsreise durch den amerikanischen Kontinent und brachte von dort eine reiche wissenschaftliche Ausbeute nach Wien. 1857-1859 war er Expeditionsschreiber und Handelsdelegierter der österreichischen "Novara"-Weltumsegelung. 1860 in den Ritterstand erhoben, begleitete er 1869 die österreichische Expedition nach Ostasien, danach folgten Berufungen als Generalkonsul nach Smyrna, London, Leipzig und Genua. Seine Reiseberichte wurden unter anderem von Alexander von Humboldt sehr geschätzt. Continue reading

Order no. 2603-63
€ 140,-


Scott, Robert Falcon, Offizier und Polarforscher (1868-1912)

Eigenhändig beschriebene kleine Visitkarte (4 x 8 cm): "Captain R Scott / R[oyal] N[avy] / British Antarctic Expedition 1910 / 36 Victoria Street; London SW". - Leicht fleckig.

Nachdem bereits 1901-1904 die von Scott geleitete Discovery-Expedition einen Vorstoß zum Südpol unternommen und dabei das Polarplateau im nördlichen Viktorialand erreicht hatte, brach der Brite im Juni 1910 im Rahmen der Terra-Nova-Expedition nochmals in die Antarktis auf mit dem ehrgeizigen Ziel, als erster den Südpol zu erreichen, worin ihm der Norweger Amundsen allerdings fünf Wochen zuvorkam. Auf dem Rückweg starben Ross und seine vier Kameraden bei eisigen Temparaturen und zu Ende gegangenen Lebensmittelvorräten auf dem Ross-Schelfeis. Continue reading

Order no. 2603-67
€ 2750,-


Seidmann-Freud, Tom (Geburtsname Martha Gertrud Freud), Kinderbuchautorin und -illustratorin, Nichte von Sigmund Freund (1892-1930)

Maschinschriftlicher Brief mit eigenhändiger Unterschrift, 1 Seite, kl-4, Berlin-Charlottenburg, 22. 10. 1928. - An Walter Zadek. "Lieber Walter, ich schicke Ihnen anbei endlich das Intelligenzspiel. Ich hoffe, dass es Ihnen gefällt. Es wäre sicher noch hübscher geworden, wenn Sie mich nicht so in der Auswahl der einzelnen Zeichen beschränkt hätten. Die Dienstmarke habe ich auf besonderem Wunsch von Fräulein Goldberg aufgeklebt; ich finde sie nicht besonders gut und lege Ihnen deshalb noch das Eisenbahnerzeichen bei, da Sie eventuell an dieser Stelle reproduzieren lassen können. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir das Honorar bald anweisen könnten. Geben Sie Ihrem Herzen einen Stoß und lassen Sie es recht hoch sein ... P. S. Für die Unterschrift von Schacht habe ich nur das Feld angegeben, in das sie kommen soll und bitte Sie, die Reproduktion davon mach zu lassen." Links oben Vermerk "MK 75 bez. am 24. Okt. 1928" und Paraphe von fremder Hand. - Lochung und kleine Bugrisse hinterlegt.

Sehr selten. - Die in Wien in eine gutbürgerliche jüdische Familie geborene Martha Gertrud Freud nahm mit 15 Jahren den männlichen Vornamen Tom an und begann gelegentlich Männerkleidung zu tragen. Nach Berlin übersiedelt, heiratete sie 1920 den Schriftsteller Jakob Seidmann und gründete zusammen mit ihm den Peregrin-Verlag; das Ehepaar ging tragischerweise an den Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 zugrunde. Mit ihren bis heute nachgedruckten poetischen Bilderbüchern und Spielfibeln zum Schreiben- und Rechnenlernen leistete Seidmann-Freud einen außergewöhnlichen und nachhaltigen Beitrag zum Kinder- und Schulbuch im frühen 20. Jahrhundert. - Der Publizist Walter Zadek (1900-1992) war Redakteur beim legendären Berliner Tagblatt und Mitglied der Künstlerkolonie Berlin; 1933 inhaftiert, konnte er 1935 nach Palästina fliehen und arbeitete dort als Fotograph. - "Schacht": wohl der damalige Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht, dessen faksimilierte Unterschrift auf Geldscheinen zu finden war. Continue reading

Order no. 2603-68
€ 750,-


Sonnenfels, Joseph von, Jurist und Aufklärer (1733-1817)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 3/4 Seite auf Doppelblatt, in-8, (Wien), 23. 12. (um 1810/1815). - An einen unbekannten Empfänger betreffend einen Streit rund um die Gründung des Wiener Polytechnikums, den Vorläufer der heutigen Technischen Universität. "Ich gebe mir die Ehre, Euer Hochwohlgeborn beygehenden Aufsatz zu übersenden: ich glaubte demselben zur Abkürzung der Arbeit sogleich als Note einkleiden zu müssen. Da S[eine] M[ajes]t[ä]t die Errichtung der Politechnik wirklich schon sanktionirt haben, so schien mir das Zuträglichste, diese Fehde auf eine ehrenvolle Art zu enden, wobey das Ansehen S[eine]r D[urchlaucht] des Herrn Curators geschirmet, und die Integrität der Akademie gerettet würde. Den 23 Xbr. Sonnenfels". Ohne die erwähnte Beilage. - In etwas zittriger Altersschrift auf dünnem Papier geschrieben, gebräunt und lichtrandig.

Sehr selten. - Das Polytechnische Institut in Wien wurde 1815 im Auftrag von Kaiser Franz I. nach längeren Vorarbeiten durch Johann Joseph von Prechtl gegründet, der es bis 1849 leitete. "Akademie": Sonnenfels war seit 1811 Präsident der Akademie der bildenden Künste in Wien; sie wurde für ihn zum Mittelpunkt seiner letzten Lebensjahre. Neben seiner Tätigkeit für den Staat als einflussreicher Jurist und Verwaltungsreformer - unter anderem ist Sonnenfels die Abschaffung der Folter zu verdanken - war der "österreichische Lessing" auch in kulturellen Belangen sehr aktiv. Continue reading

Order no. 2603-70
€ 2400,-


Steindachner, Franz, Zoologe (1834-1919)

Mattierte Bronzeplakette von R. Marschall (hergestellt im Wiener Hauptmünzamt) zum 70. Geburtstag am 11. 11. 1914, 7 x 4 cm. - Vorderseite: Brustbild nach rechts. Rückseite: Neunzeilige Widmung des Oberstkämmerers im Auftrag von Kaiser Franz Joseph in lateinischer Sprache.

Hauser 7889. - Steindachner baute die Fischsammlung sowie die Sammlung von Amphibien und Reptilien am Naturhistorischen Museum in Wien auf und wurde 1898 dessen Intendant. Er war ein hervorragender Ichthyologe, nach dem über 30 Fischarten benannt wurden, unternahm mehrere Sammelreisen (unter anderem nach den Galapagos-Inseln) und leitete die Österreichisch-Ungarischen Tiefsee-Expeditionen im Mittelmeer und im Roten Meer. - Der österreichische Bildhauer und Medailleur Rudolf Marschall (1873-1967) stand viele Jahre der Meisterschule für Graveur- und Medailleurkunst an der Wiener Akademie vor. Continue reading

Order no. 2603-72
€ 80,-


Vogeler, Heinrich, Maler und Graphiker (1872-1942)

Zwei eigenhändige Briefe mit Unterschrift (der zweite mit Zusatz "und die Leute vom Barkenhof"), jeweils 1 Seite, kl-4, W[orpswede] 26. 11. und 30. 12. 1920. - An Karl Jänichen. "... Ihr Brief hat mich erfreut, es sind wenige, die das was ich sagte so tief erfasste wie Sie. Wir kämpfen hier einen schweren Kampf in wirtschaftlicher Not und Bedrängnis von allen Seiten, von Seiten der 'Parteien' besonders. Wir werden nun um Ostern aus einer Bonner Versuchsschule (Scharrelmann) Kinder aufnehmen für den Sommer und müssen dann sehen was sich daraus entwickelt. Wir wissen genau was wir wollen, aber haben noch unendliche Arbeit an uns selber zu tun um uns für die Aufgabe zu festigen. Den Vortrag sende ich Ihnen im Januar gedruckt, versichert[?] heute nur das einliegende ..." (26. 11.) "... Das war für uns eine grosse Freude - die Noten, Ihre tiefen rhytmischen Worte, dann das schöne Gebäck. Wir haben jetzt endlich eine Lehrerin für die Kleinen gefunden und so beginnt langsam der Aufbau. Ich habe jetzt eine wunderbare Aufgabe, male und schnitze unser[e] Räume ..." (30. 12.) - Faltspuren.

Der vielseitig begabte Künstler Heinrich Vogeler wurde vor allem durch seine Arbeiten im Jugendstil bekannt. Nachdem er einen Bauernhof im niedersächsischen Worpswede erworben hatte, gestaltete er das Anwesen im Sinn eines Gesamtkunstwerks um begründete dort die Künstlerkolonie Barkenhoff (so die übliche Schreibweise). Er hatte die Niederlage im 1. Weltkrieg als moralischen Zusammenbruch empfunden, der eine neue Ethik und ethische Politik erforderte, und entwickelte auf der Grundlage von Marxismus, Christentum und völkischen Ideen eigene Vorstellungen von Erziehung und Lebensform, die er in seiner sozialistischen Kommune mit ihrer agrarisch-handwerklichen Bedarfswirtschaft zu verwirklichen suchte. 1931 wanderte er nach Moskau aus, wurde aber 1941 als Deutscher nach Kasachstan deportiert und ging dort zugrunde. - Heinrich Scharrelmann (1871-1940) war Schriftsteller und Schulreformer. Continue reading

Order no. 2603-81
€ 950,-


Walter, Bruno, Dirigent (1876-1962)

Eigenhändiger Brief mit Unterschrift an den Wiener Klavierfabrikanten Friedrich Ehrbar jun., 2 Seiten auf Doppelblatt, kl-8, Wien, 9. 11. 1912. - "Hochverehrter Herr Kaiserlicher Rat! Mit Ihnen haben wir ein besonderes Pech: Mein Kollege Reichenberger ist erkrankt und ich habe für ihn die morgige Vorstellung von Margarethe zu dirigieren, was uns also nöticht auf das Vergnügen Ihren morgigen musikalischen rout zu besuchen, zu verzichten. Mit dem Ausdruck des aufrichtigen Bedauerns sendet Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin, auch im Namen seiner Frau die verbindlichsten Grüße Ihr wahrhaft ergebener Bruno Walter".

Der als Bruno Walter Schlesinger in Berlin geborene Dirigent war Schüler von Gustav Mahler und folgte ihm 1901 als Kapellmeister an die Wiener Hofoper. Friedrich Ehrbar (1873-1921) führte nicht nur die von seinem gleichnamigen Vater begründete Klavierproduktion weiter, er war auch von 1900 bis zu seinem Tod Präsident der Wiener Singakademie. Der Dirigent und Komponist Hugo Reichenberger (1873-1938) war von 1908 bis 1935 an der Wiener Oper tätig. Gounods "Faust" (so der eigentliche Name der Oper) wurde in Wien erstmals 1862 aufgeführt, zunächst aber nicht sonderlich geschätzt; Gustav Mahler weigerte sich sogar, das Werk aufzuführen - er fand es zu sentimental ("gezuckerter Goethe"). Erst 1906 brachte Felix Weingartner "Margarethe" erfolgreich neu heraus, mit der großen Wagner-Sängerin Anna Bahr-Mildenburg in der Titelrolle. "rout": veralteter Ausdruck für Abendgesellschaft. Continue reading

Order no. 2603-82
€ 300,-