Zweig, Stefan, Schriftsteller (1881-1942)


Maschinschriftlicher Brief mit eigenhändiger Unterschrift, 2 Seiten, quer-8, Salzburg (Briefkopf mit Monogramm), 17. 2. 1933. - An einen Herrn, der ihn offensichtlich um Unterstützung für die Veröffentlichung von Gedichten gebeten hatte. "Sehr geehrter Herr! Wien war für mich eine vollkommene Hetzjagd. Ich komme dort kaum dazu meine nächsten Verwandten und Bekannten zu besuchen. Aber was Ihre Lyrik betrifft, werde ich Ihnen in einiger Zeit etwas Positives schreiben können. Es ist jetzt endlich in Deutschland ein Mann, der ohne grosse Mittel, nur mit innerer Au[f]opferung an die Sache geht, eine Zeitschrift für Lyrik zu gründen und zwar für exklusive Lyrik, in der Hoffnung, auf diese Art innerhalb des lernenden Deutschlands eine orphische Höhe des Gesanges zu schaffen, ein Refugium. Ich bin mit ihm in Korrespondenz, weil ich einen so ausserordentlichen Plan nicht unberaten lassen wollte und einige Leute arbeiten still und gleichzeitig an einer imaginären Liste der Mitarbeiter. Kommt die Sache zustande, so bin ich gewiss, Sie da in einen guten geistigen Kreis einführen zu können. Ich halte diese Art des Erscheinens in einem engsten, aber wissenden Kreis heute für wertvoller als die Publikation eines Buches. Mit den besten Grüssen Ihr Stefan Zweig". - Kleine Randmängel, mehrfach gelocht.

Schöner, für Zweigs Persönlichkeit kennzeichnender Brief. Die hier in Aussicht gestellte Zeitschriftengründung könnte sich eventuell auf die von Heinrich Ellermann herausgegebene Literaturzeitschrift "Das Gedicht. Blätter für die Dichtung" beziehen, die von 1934 bis 1944 erschien. Allerdings scheint eine Korrespondenz zwischen Zweig und Ellermann erst 1936 nachweisbar.

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