Moscheles, Ignaz, Komponist und Pianist (1794-1870)


Ausführlicher eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 1 1/2 Seiten, in-8, Leipzig, 3. 10. 1865. - An einen Herrn Eugen von Blum über die Annahme eines Schülers. "Geehrter Herr. Ihrer Anfrage zu Folge, erlaube ich mir Folgendes zu erwiedern. Meine Stellung am hiesigen Conservatorium, läßt mir nur wenige Muße-Stunden übrig. Im allgemeinen übernehme ich nicht Privat-Schüler, nur ausnahmsweise gebe ich den vorgerückten Schülern, oder besonders begabten Talenten zu dem Preise von 2 Fl: [Gulden] Stunde. Wenn ich dem von Ihnen vorgeschlagenen 14jährigen Knaben Privat-Unterricht geben sollte, würde ich mich dem unterziehen, wenn er keine fehlerhafte Technik hätte, u. auffassungsfähig wäre. Auch ließe sich ein Hilfslehrer anstellen der für den erstern Fall unter meiner Aufsicht helfen könnte. Ein schwieriger Punkt müsste auch berücksichtigt werden: Daß er in einer Familie untergebracht werde, welche die Verantwortlichkeit übernehme, auf seinen Fleiß und seine moralische Aufführung ein wachsames Auge zu haben. Daß außer Musik, auch für seine geistige Bildung gesorgt werden sollte, versteht sich von selbst. Wenn meine Andeutungen berücksichtigt werden können, bin ich bereit ihm 1 bis 2 Stunden je Woche zu geben. Mit besonderer Hochachtung Ergebenst I. Moscheles". - Beiliegend ein zeitgenössisches Stahlstichporträt um 1840 (stockfleckig).

Moscheles stammte aus Prag, studierte in Wien, war mit Beethoven befreundet und wurde 1824 Lehrer von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Nachdem er längere Zeit in London gelebt hatte, übernahm er 1846 auf Einladung Mendelssohns die Klavierklasse am 1843 gegründeten Leipziger Konservatorium. Er galt als einer der hervorragendsten Klaviervirtuosen Europas und war als Pädagoge von vorbildlicher Gewissenhaftigkeit.

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