Unruh, Hans Victor von, Politiker (1806-1886)


Eigh. Schreiben mit Unterschrift, 1 Seite, kl-4, Berlin, 9. 1. 1849. - In Erwartung seiner baldigen Verhaftung an einen Redakteur. "Einliegend übersende ich Ihnen ganz ergebenst meinem gestrigen Versprechen gemäß einen anderen Schluß für meine Schrift, den Sie statt der im Manuscript schließenden Schlußbemerkung drucken lassen wollen, und zwar recht schnell: denn die Nachricht von unserer Verhaftung bestätigt sich. Wahrscheinlich erfolgt diese morgen oder übermorgen, wenn der Criminalsenat in seiner morgenden Sitzung nicht eben sich anders besinnt. Werde ich nicht verhaftet so treffe ich morgen Mittag in Magdeburg ein und besuche Sie. Ergebenst v.Unruh / P.S. Wenn Sie wollen lassen Sie den einliegenden Schluß als Probe in der Faberschen Zeitung abdrucken; ich rate dringend dazu. Die Zeitung nimmt den Artikel unentgeltlich auf." - Bleistiftnotizen von fremder Hand. Mit altem Sammlerumschlag.

Der preußische Bauingenieur und Unternehmer Hans Victor von Unruh wurde nach der Revolution vom März 1848 in die Preußische Verfassunggebende Versammlung als liberaler Abgeordneter gewählt und stand ihr ab Oktober 1848 als Präsident vor. Den bewaffneten Kampf lehnte er ab, auf ihn geht die Wortschöpfung "passiver Widerstand" zurück. Nach der Auflösung der Versammlung wurde er im Januar 1849 in die zweite Kammer des Preußischen Landtags gewählt und veröffentlichte im selben Jahr sein Werk "Skizzen aus Preußens neuester Geschichte". Auch nach der Revolution blieb er politisch tätig; seine Erinnerungen erschienen posthum 1895. Die vom Verlag der Faberschen Buchdruckerei in Magdeburg seit 1664 herausgegebene "Magdeburgische Zeitung" war die älteste deutschsprachige Zeitung und bestand bis 1944. - Selten.

1703-92
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