Franz Joseph, Kaiser von Österreich (1830-1916)


Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 6 Seiten auf 2 Doppelblättern, in-8, Wien, 11. 1. 1888. - An die Schauspielerin Katharina von Schratt (1853-1940), der der Kaiser nahezu drei Jahrzehnte lang in enger Freundschaft verbunden war. "Meine gnädige Frau! Hoffentlich belästigt und langweilt es Sie nicht zu sehr, wenn ich Ihnen schon wieder schreibe, allein es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen zu zeigen, daß ich an Sie denke und Ihnen ein bischen vorzuplauschen. Heute sind es bereits 14 Tage daß ich Sie nicht gesprochen habe und Sonntag wird es eben so lang sein, daß ich Sie auch von Weitem nicht gesehen habe. Das ist eine lange Zeit, die mir eine Ewigkeit scheint. Ihr vorgestriges Telegramm an Frau von Ferenczy hat mich sehr gefreut durch die guten Nachrichten über Tonis fortschreitende Besserung und durch die Mittheilung, daß Sie wohl sind, denn ich war in beständiger Beängstigung, Sie könnten doch am Ende Tonis Ausschlag erben. Vielleicht hat sich Wiederhofer auch in der Entdeckung geirrt, daß Toni den Keuchhusten hat und so hoffe ich, daß er bald vollkommen hergestellt sein wird. Wiederhofer war mit seiner kräftigen körperlichen Entwicklung sehr zufrieden. Hoffentlich macht sein Abschuppungsprozeß solche Fortschritte, daß Sie bald in der Lage sein werden, Wiederhofer, wie er es mit Ihnen verabredet hat, kommen zu lassen, damit er entscheide, wann die lange Trennung endlich eine Ende nehmen kann. Er ließ mich hoffen, daß es ziemlich bald sein könnte, was mich natürlich unendlich glücklich machen würde. Wegen Valérie muß ich die strengen ärztlichen Vorschriften einhalten, denn ich persönlich würde mich nicht abhalten lassen, mit Ihnen zusammen zu kommen, um so mehr, als ich mich vor der Ansteckung gar nicht fürchte. Eine große Enttäuschung war es für mich, Sie in Stahl und Stein und in den galanten Königen nicht sehen zu können, doch war ich sehr froh, daß Sie nicht spielten, als ich durch Wiederhofer erfuhr, daß Sie unwohl waren und sogar zu Bett lagen. Wie leicht hätten Sie sich im Opernhause, das in Folge der elektrischen Beleuchtung fürchterlich kalt sein soll, ganz verderben können ...". (Berichtet von den Aufführungen der genannten Stücke im Wiener Burgtheater.) ... Unsere theure Freundin Hohenfels spielte, wie gewöhnlich, vortrefflich, sah jugendlicher und hübscher aus wie sonst und sang eine Romanze ganz entsetzlich. Die Stücke sind beim Fürsten Hohenlohe in Ungnade gefallen und scheinen vom Repertoire abgesetzt zu werden, was nach meiner Ansicht eine zu strenge Behandlung ist. Neulich war ich auch in 'Unsere Freunde', welches Stück ich schon so lange nicht gesehen hatte, daß ich mich an dasselbe gar nicht mehr erinnerte. Die Vorstellung war eine 'schlampete' und ich war eigentlich wegen den Nimbus in dieselbe gegangen. Sonst war ich gar nicht im Theater, denn wie Sie wohl denken können, übt das jetzige Repertoire keine Anziehungskraft auf mich aus. Hoffentlich wird das bald anders werden! In Schönbrunn war ich seit unserer letzten Promenade gar nicht mehr, doch will ich nächstens wieder einmal hinausfahren, um frische Luft zu schöpfen. Nun habe ich Ihnen nichts mehr zu erzählen und so schliesse ich dann mein Geschwätz mit dem innigsten Wunsche eines baldigen frohen Wiedersehens und mit der Versicherung teurer Freundschaft. Ihr aufrichtig ergebener Franz Joseph." Mit eigenhändigem Kuvert "Frau Katharina v. Kiss-Schratt" mit rotem Siegel (dieses durchschlagend). - Vollständige Transkription beiliegend.

Gekürzt gedruckt bei Bourgoing 69 f. und Hamann 70 f. - Zu den erwähnten Personen und Stücken: Ida von Ferenczy (1839-1928), Hofdame von Kaiserin Elisabeth; Toni: Baron Anton Kiss de Ittebe (1880-1970), Sohn der Schaupielerin aus ihrer seit 1880 nicht mehr aufrechten Ehe; Hermann Widerhofer (1832-1901), Leibarzt des Kaisers, später in den Freiherrnstand erhoben; Valérie (1868-1924), die jüngste Tochter des Kaisers; "Galante Könige": mehrteiliger Lustspielabend des Juristen und Schriftstellers Emil Granichstädten (1847-1904); Stella von Hohenfels (1857-1920), Burgschauspielerin; Konstantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1828-1896), Obersthofmeister und als solcher für die Hoftheater verantwortlich. Einzelne weitere Kommentare bei Bourgoing und Hamann.

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