Kupelwieser, Leopold, Maler (1796-1862)


Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 6 Seiten, gr-8, München, 1. 9. 1847. - Ausführlich an seine Frau Hanny von einer Reise nach Altötting und München. Kupelwieser ist von den landschaftlichen und kulturellen Schönheiten Bayerns sowie von der durch König Ludwig I. geförderten zeitgenössischen sakralen Kunst in München begeistert und erzählt von seinen Begnungen mit Moritz von Schwind und anderen Künstlern. "... man sieht hier den Bauernstand in seiner schönsten Entfaltung und Würde die Bauernhäuser wunderschön und mit dem Zeichen des Wohlstandes und Uberflußes gebaut, in höchst geschmackvoller Architektur ... München ist mehr als ich erwartete unser erster Gang ... war die Ludwigskirche ... wie elend stehn alle von meiner Seele welche dieses überaus gediegene große Werk verkleinern, Cornelius ist ein größerer Mann als man ihn preist, und seine Tadler wissen nicht was sie thun ... die Basilika ist ... wirklich bewundernswürdig, Heß malte dort auf eine Weise al fresco daß ich wie vor einem Wunder stand, seine Arbeiten haben einen Guß von der ersten Eintheilung der Gegenstände ... bis zur letzten Vollendung, daß einem das Herz vor Freude hüpft ... wenn die Alten in die Aukirche kämen, sie müßten sich freuen daß die Anwendung der Glasmahlerey zu einer solchen Entwicklung gelangte ... hinzu gesellt sich eine wirklich kräftig betriebene künstlerische Ausbildung schöner Talente und so ist das Ergebniß das erfreuliche daß ... in einer Zeit der Flachheit und der Versumpfung wie unsern, solche vorzügliche Werke entstehen konnten. Indem hier wirklich Alles was man ansieht einen heiteren künstlerischen Charakter hat, so kannst du denken daß die Künstler welche durch die Munifizenz des Königs sehr angenehm gestellt sind eine liebevolle heitere Stimung haben, und wir fanden den Schwind in einem erhöhten geistigen Zustand den ich nie von ihm erwartet hätte, außer in jener Zeit seiner Unschuld und Jugend in welcher wir ihn einst kannten ... wir waren ... gestern Abend bey Müller sehr lustig und hatten viel Spaß mit zwey Dresdner Künstler welche ausgezeichnet sind, aber doch den Dresdner Philisterthon stets durchblicken ließen, und am Ende etwas übereinander kamen ...". - Das letzte Blatt am rechten Rand unregelmäßig beschnitten (geringe Buchstabenverluste). Eine vollständige Transkription des Briefes liegt bei.

Leopold Kupelwieser gehörte zum Kreis der Nazarener und gilt zusammen mit Joseph von Führich als Hauptvertreter der religiösen romantischen Malerei in Wien. Er war mit Franz Schubert befreundet und fertigte mehrere Bilder von ihm und seinen Freunden an, darunter vom hier erwähnten Maler Moritz von Schwind. Sein zweiter Sohn Paul (1843-1919), ein Industrieller, erwarb 1893 die Brioni-Inseln vor der Küste Istriens, machte sie bewohnbar und gestaltete sie zu einem Treffpunkt des Adels und Großbürgertums um.

Bestellnummer 2009-38
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