Kokoschka, Oskar, Maler (1886-1980)


Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, 2 Seiten auf 2 Blättern, in-8, Villeneuve (Briefkopf), 4. 6. 1963, mit eigh. Kuvert. - Schöner freundschaftlicher Brief an den Verleger Ludwig Goldscheider in London. "Mein lieber Herr Dr. Ludwig / Ich hätte Sie schon viel früher als wohlmeinenden Begleiter meiner Lehr- und Wanderjahre zur Seite gebraucht und hoffe mir noch recht lange nicht nur Ihr Zutrauen sondern, noch mehr, auch Ihre Erwartung erhalten zu können. Vielleicht wird doch noch etwas aus mir, werde ich nur alt genug und das Paar Augen bleibt gesund und besonders der Sinn dahinter, der eigentlich der Schauende ist während einer so in die Welt gafft. Wir haben soeben Ihr Buch gelesen und freuen uns sehr auf das Erscheinen. Man merkt recht deutlich darin Ihre Zuneigung zum Maler aber vor allem Ihr starkes Verhältnis zu meinem Werk, so stärkt mich dieses auch weiterhin für hoffnungsvolle Pläne, mein Werk wirkt für mich bei Ihnen und giebt mir so etwas von der Energie zurück, die ich daran verschwendete. Ich habe sogar Mut den Comenius wieder durchzusehen weil Ihnen so daran liegt. Bitte machen Sie sich keine Sorgen wegen Ihrer Gesundheit, leben Sie einfach gerne in dieser besten aller Welten so lange noch etwas grünt trotz der technischen Zivilisation, die, dank Pillen, Injektionen und Röntgenstrahlen bis hinein in unser Gewebe vordringt. Der hinter dem Augenpaar aber schaut, kann davon nicht bewegt werden. / Lieber Freund ich danke Ihnen für dieses Buch auf das Wärmste und noch [!] noch für das weitere mit den Aufsätzen! Bleiben Sie so wie Sie sind, weder gesünder noch kränker, es ist schon Alles gut zu ertragen mit ein wenig Weisheit. Liebevoll Ihr OKokoschka". - Auf bläulichem Luftpostpapier mit gedrucktem Briefkopf.

Der österreichische Kunsthistoriker Dr. Ludwig Goldscheider (1896-1973) war Mitbegründer des Phaidon-Kunstverlags. 1938 nach London emigriert, führte er den Verlag dort weiter und veröffentlichte 1963 in Zusammenarbeit mit dem Künstler eine Monographie über Kokoschka, die mehrere Auflagen und Übersetzungen erlebte. Als "entarteter Künstler" war Kokoschka 1934 nach Prag emigriert, wo er auch seine spätere Frau Olda kennenlernte und die tschechische Staatsbürgerschaft erhielt; 1938 flüchtete er weiter nach England. Kokoschka war auch schriftstellerisch tätig; sein Drama "Comenius" über den bedeutenden tschechischen Philosophen und Theologen Jan Amos Komenský (1592-1670) wurde 1936-1938 begonnen und 1972 fertiggestellt.

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