Johann, Erzherzog von Österreich (1782-1859)


Eigh. Brief mit Unterschrift "Johann", 3 1/4 Seiten, in-8, Schloss Vordernberg, 9. 10. 1844. - [An den Maler Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld (1788-1853), wie meist ohne Anrede]. Über einen geeigneten Erzieher für seinen damals fünfjährigen Sohn Franz (1839-1891).

"Gestern erhielt ich Ihren Brief vom 8t. dieses. Vor allem danke ich für die mir mitgetheilten Notizen. P[ater] E: betreffend; die Foderungen sind wahrlich mäßig und billig - sollten sie nach geschehener Prälaten Wahl noch etwas erfahren so bitte ich es mir mitzutheilen. Sie wissen daß ich auf drey individuen mein Auge geworfen, Man[uel?]: P. E: und Dr. K: - ersterer sanft, vielleicht zu sanft für den herben festen Sinn meines Knaben, spornt diesen nicht an, und obwohl er mir zusagte so fand ich [bei] ihm ein zu sorgfältiges Streben gefällig zu seyn und eine gewisse Ängstlichkeit die im Carakter liegen mag. D: K: fand ich Ernst, bestimmt, und sein ganzes Wesen gefiel mir, allein schwer in einer Unterredung zu errathen, da er jedes Wort abwog, dieser Mann dürfte sehr selbstständig seyn, und für die Erziehung eines reiferen Jünglings entsprechen, ob für einen frischen, arglosen, keine Weltrücksichten kennenden Knaben ist eine andere Frage, ob er die Geduld besitzet und das ruhige kalte Blut, dieß wage ich nicht zu entscheiden; Männer die mit ihm in näherer Berührung stehen dürften dieses beantworten. P: E: gefiel mir auf dem ersten Blick, offen und gut, dieser dürfte vielleicht dermalen der entsprechendeste seyn[.] Allerdings wäre mir in spätheren Jahren [Seite 2] ein Weltlicher lieber, allein dermalen ist ein Geistlicher gut - aus folgenden Gründen. Vor allem erinnere ich daß derselbe kein Jesuit, kein Celot seyn darf sondern in dem Geiste Leben und Wirken wie Pater Franz. - Mein Bub muß Religions Begriffe erhalten, jene Religion des Heilandes auf den zwey Grundgebothen gebauet muß in seinem Herzen Wurzeln schlagen - es lieget darinnen seine ganze Zukunft. Kann ihm dieses ein Weltlicher geben - denn wie wenige dieser sind damit im reinen, wie die meisten Einseitig, ich spreche dieses aus eigener Erfahrung ich hatte gute Erzieher - aber sie waren entweder Materialisten, oder Deisten alles übrige verachteten sie laut, oder sie schnitten sich eine Religion zu nach ihrer Gemächlichkeit - woher kam mir der Funke welcher mir mein Herz entzündete - von einem Augustiner voll Einfalt dem Pater Antonin, und von dem Erzbischof Hohenwarth, dieser entwickelte sich später durch Welt Erfahrung und durch die mir von Gott so Väterlich und gnädig zugesendeten Wiederwärtigkeiten und Schmerzlichen Kämpfe. Mir wurde manches klar - und dieß soll nicht verlohren [sein] sondern [Seite 3] auf meinem Knaben übergehen. Ist P. E: der Mann mit liebevollem Herzen, ohne mit Dogmen, welche erst für späthere Zeit gehören das Kind zu quälen und statt zum Glauben zum Unglauben zu führen - in dem Herzen des Zöglings die höchste Liebe zu Gott und jene zu dem nächsten, Gehorsam aus Liebe, Selbstverläugnung aus Liebe und Festigkeit der Treue gegen Gott und den Nebenmenschen dazu, die Liebe zur Wahrheit und das starke daran halten zu begründen und zu entwickeln, dann hat er seine Aufgabe gelöset. Liebe, Charitas; erzeuget Liebe, und mein Bub - bey aller seiner Raschheit - ist nur dadurch und durch Ernst und Wahrheit zu gewinnen. Ein brafer Geistlicher kann dieses am ersten leisten. Lehrer werden wir genug finden, aber Gemüths Erzieher sind selten. Die Ernste Zeit in der wir leben ruffet laut, daß man das Herz und die Wahrheit wieder gelten lasse - sie fodert Kampf gegen den Egoismus, ein wahres Product des Satans. - Hören sie was P: E: über diese meine Ansichten saget - und berichten sie mir darüber. Noch eines für meinen Knaben, einfachheit in allem in Kleidung[,] Art, Bedienung, nichts von Luxus - dieser [Seite 4] Schlamm in welchen so viele verlohren giengen; weil sie die Einfalt der ... verließen. / Morgen fahre ich nach Gratz zu den Sitzungen - dann auf dem Weinberge, Gott mit Ihnen." - 1845 setzte Johann für sein einziges Kind aus der Ehe mit Anna Plochl bei Metternich den vererbbaren Titel "Graf von Meran" durch. Franz übernahm 1862 die Verwaltung der von seinem Vater hinterlassenen Betriebe und Einrichtungen; zu seinen Urenkeln gehören unter anderem Nikolaus Harnoncourt und seine Geschwister. Der erwähnte Wiener Fürsterzbischof Sigismund Anton Graf Hohenwart zu Gerlachstein (1730-1820) war Lehrer von Kaiser Franz II. (I.), erlebte die zweimalige Besetzung Wiens durch die Franzosen und traute 1810 Erzherzogin Marie Louise mit Napoleon (vertreten durch Ehg. Carl, den Sieger von Aspern).

1705-38
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